Mobbing am Arbeitsplatz

Mobbing am Arbeitsplatz bedeutet, dass Betroffene systematischem Psychoterror im Sinne von regelmäßigen Schikanen, Quälen, seelischen Verletzungen und sozialer Isolation ausgesetzt sind. Diese belastende Situation am Arbeitsplatz zieht weite Kreise und beeinflusst nicht nur das Privatleben der Betroffenen stark. Auch die persönliche Gesundheit wird dabei meistens stark in Mitleidenschaft gezogen.

Bei der Telefonseelsorge rufen Menschen an, die oft schon in einer lang andauernden Mobbinggeschichte stecken und manchmal auch schon so tief unten sind, dass es sogar zu Suizidgedanken kommen kann.
Wie kann es gelingen, dass solche Menschen wieder Boden unter den Füßen spüren und sich nicht mehr als wehrloses Opfer fühlen? Wie können diese Menschen fähig werden, Grenzen zu setzen und STOP zu sagen zu Mobbing und Ausgrenzung?

Ein erster und wichtiger Schritt ist es, dass Sie sich aufmachen und Hilfe suchen. Ein Gespräch bei der Telefonseelsorge, bei dem Sie ungeteilte Aufmerksamkeit, Verständnis und Wohlwollen bekommen, wird als sehr hilfreich empfunden.

Gespräche in der Telefonseelsorge über Mobbing beginnen oft mit Weinen der Anrufenden. Die Gefühle der Ohnmacht, der Angst und der Selbstzweifel sind zu überbordend und kaum aushaltbar. Gelingt ein gutes Gespräch, fühlen sich die Anrufenden am Ende erleichtert und sehen vielleicht sogar manches dann klarer. Einiges hat sich vielleicht auch relativiert. Auf alle Fälle kann die Erfahrung, dass jemand ein Stück des Weges mit und nicht gegen einen geht, ein klein bisschen heilsam sein.


Masken

In Gesprächen mit Freunden erzählt man sich oft Geschichten aus der Kindheit, sie wird dann ganz lebendig und manche Augen beginnen sogar zu leuchten. Aus der Entfernung betrachtet schaut es sowieso abenteuerlicher und spannender aus als es tatsächlich war. So auch die Geschichten vom Fasching, vom Verkleiden, vom ausgelassen sein. Die eigenen Partys waren sowieso der Kracher und die allerbesten. Und das Verkleiden? Ja, für ein paar Stunden eine andere Identität anzunehmen, eine Maske überzuziehen, unerkannt zu sein und irgendwie das Gefühl zu haben, „ich kann tun und lassen was ich will“, war einfach herrlich und abenteuerlich. Masken ermöglichen einem für kurze Zeit aus dem normalen Leben auszusteigen und jemand anders zu sein, und haben weltweit seit Jahrhunderten ihre kulturelle Tradition und Bedeutung. Haben Sie gerade auch eine schöne Erinnerung? Warum gelingt dieses Gefühl der Freiheit und Freude am Leben oft nur in Zusammenhang mit einer „Maske“? Was hindert mich daran, öfters mal auch ohne Maske diesem Gefühl nachzugehen und ausgelassen zu sein? Und wenn Sie mal den Impuls haben etwas „Närrisches“ zu tun, geben Sie ihm ruhig nach und machen Sie sich das Leben ein wenig bunter.

Mutquelle für einen Umgang mit Angst und Panik

In der Telefonseelsorge vergeht kein Tag, an dem nicht mindestens ein Mensch bei uns angerufen hat, weil er unter Ängsten oder Panikzuständen leidet. Beängstigendes, rasendes Herzklopfen, Schweißausbrüche, Übelkeit, das Gefühl ohnmächtig zu werden, Zittern oder Atemnot, das sind einige der Symptome, die durch die ausgeschütteten Stresshormone im Köper erzeugt werden und aus den Betroffenen ein zitterndes Häufchen Elend machen.

Angst ist grundsätzlich sehr wichtig, damit wir in gefährlichen Situationen gut reagieren können, vielleicht sogar über uns hinauswachsen können. Aber es gibt auch die unbegründete Angst, die zu einer Lebensverhinderung führen kann und deren Ursprünge oft erst in einer Psychotherapie entdeckt und aufgelöst werden können. Dies bedeutet aber auch eine längere psychotherapeutische Arbeit und davor braucht es die Erkenntnis, dass die Ängste ihren Ursprung in der Psyche haben.

Keine körperliche Erkrankung bewirkt diese heftigen körperlichen Reaktionen – das sollte übrigens immer ärztlich abgeklärt werden –  sondern das vegetative Nervensystem, das nicht direkt gesteuert werden kann, reagiert auf Gefahrenreize, die aus der eigenen Innenwelt kommen.  Sich einzugestehen, dass die Psyche solche Zustände erzeugen kann, fällt oft deshalb so schwer, weil viele Vorurteile damit verbunden sind.  „Ich bilde mir das nicht ein…. „ich bin doch nicht verrückt“ …. Sind nur einige der Aussagen, die wir am Telefon hören.  Diese AnruferInnen wissen meist noch immer wenig über die Macht der Gedanken und inneren Bilder und schrecken vor allem davor zurück, dass das irgendwie mit „Psyche“ zu tun haben könnte.  Irgendwie geistert offensichtlich noch immer das alte Stigma vom „Irresein“ in unseren Köpfen.

Ein gutes Beispiel dafür, dass Körper, Seele und Geist eine Einheit sind und miteinander verbunden sind ist das mit der Zitrone: Stell dir vor, du schneidest eine saftige Zitrone auf, siehst dir die Schnittfläche genau an und stellst dir vor, wie du ihren sauren Saft auf deine Zunge träufelst oder sogar in diese Zitrone beißt… –

Was passiert mit dir, wenn das gelingt? Wahrscheinlich wirst du spüren, wie dir das Wasser im Mund zusammenläuft und vielleicht wirst du sogar ein wenig das Saure spüren und es gibt Menschen, die allein bei der Vorstellung davon ihr Gesicht verziehen oder sich schütteln. Voraussetzung dafür ist, dass du in deinem Leben bereits Erfahrungen mit Zitronen gemacht hast. Ist das nicht eine erstaunliche körperliche Wirkung von einigen Worten und inneren Bildern?

Dieses Beispiel hilft manchmal und macht Mut doch in Erwägung zu ziehen, dass die Psyche, das eigene Innenleben, unsere Seele vielleicht einer besonderen Zuwendung und Aufmerksamkeit bedarf.  

In Angst und Panikzuständen gibt es einige Möglichkeiten unser emotionales Zentrum, dass im Zwischenhirn verortet ist, zu beeinflussen. Wir von der Telefonseelsorge haben es uns zur Aufgabe gemacht, dich dabei zu unterstützen, dass du gut für deine Seele sorgen kannst. Rund um die Uhr ist unter 142 jemand für dich da, der mit dir nach einem Weg zu mehr Mut und Zuversicht sucht. Manchmal ist es das vertrauliche Gespräch in der Telefonseelsorge, das den gewünschten Erfolg bringt

Zum Schluss noch ein Literaturtipp zu diesem Thema.  Das bunt illustrierte leicht lesbare Büchlein „Nur Mut! Das kleine Überlebensbuch“ von C. Croos-Müller enthält einfache Übungen die eine Soforthilfe bei Herzklopfen, Angst Panik versprechen.

Masken – eine Form der Realität

Menschen tragen Masken traditionell in der Faschingszeit, besonders bekannt und geschätzt natürlich die Masken aus Venedig – Karneval. Auch mich haben diese Masken in Venedig als Kind fasziniert und gleichzeitig doch abgeschreckt. Sie waren schön, mit Gold und Federn geschmückt, die Menschen, die sie trugen hatten eine stolze Körpersprache und schritten durch die Stadt. Aber eigentlich konnte ich die Menschen, die mit ihren Masken herumgingen, nicht sehen und das verunsicherte mich. Ich konnte die Masken nicht deuten, nicht verstehen und spürte die Realität nicht mehr. Und doch waren die „Maskenmenschen“ in diesem Moment real.

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist carnival-411494_1920-1024x679.jpg

Diese Erfahrung machen wir doch ab und an auch im Alltag. Wir stehen jemand gegenüber und können sehen, dass alles „schön“ ist und spüren trotzdem Verunsicherung, weil wir nicht wissen, was unser Gegenüber uns gerade signalisiert. Und manchmal sind wir selbst die „Maskenmenschen“. Masken dienen nicht nur dazu etwas zu verbergen, manchmal sind sie real, weil wir in diesem Moment nicht unser wahres Gesicht zeigen wollen. Weil wir uns vielleicht nicht zumuten wollen, weil wir uns selbst noch nicht sicher sind, was wir von uns preisgeben wollen. Masken zu tragen gehört also zur Realität jedes Menschen, wichtig ist es zu erkennen, wann man die Maske absetzen kann.

Heute

Weil morgen, ja morgen, fang‘ i a neues Leben an,
und wenn net morgen, dann übermorgen, oder zumindest irgendwann
fang i wieder a neues Leben an.

Nicht nur das Lied von EAV, sondern vielleicht auch den Wunsch kennen wahrscheinlich manche von uns. So gerne würden wir „von vorne“ neu beginnen können.

Gerade rund um Neujahr machen wir uns selbst oft – unnötig – Druck und die Enttäuschung, dass es am 1. Jänner nicht anders geworden ist, folgt auf den Fuß.

Auch manche Anrufende setzen auf das Morgen.

Wenn alles ganz anders ist als jetzt … Wenn nur …

Weiterlesen

Kleine Ressourcen

Menschen, die in der Telefonseelsorge anrufen, leiden. Sie fühlen Hilflosigkeit und Angst, Hoffnungslosigkeit, Trauer und Einsamkeit. Und manchmal sind sie in einer Krise.

Umso erstaunlicher und bewundernswerter ist es für mich dann, welche Antworten diese Menschen trotzdem geben können, wenn ich sie frage, welche Dinge sie denn trotz aller Schwierigkeiten in ihrem Leben für ihre Ressourcen und Kraftquellen halten.

Kürzlich hatte ich ein Gespräch mit einer Frau, die ins Telefon weinte und gleichzeitig auch ein bisschen alkoholisiert war. Sie habe eine schwere Zeit zu meistern, meinte sie. Nach einem Beziehungsende nach über 20 Jahre sei sie nun Alleinerzieherin und manchmal ziemlich überfordert. Dazu kommt, dass ihr Vater im Sterben liegt und sie außerdem aufgrund einiger Anzeichen befürchtet, ihre Arbeit zu verlieren.

Irgendwann kamen wir im Gespräch drauf, was ihr denn noch guttue.

Sie antwortete, dass sie zwei Freundinnen habe, die ihr sehr wertvoll sind, vor denen sie aber stark erscheinen will und ihnen nicht so viel über ihr Leben erzähle, wie sie könnte. Auch habe sie einen Hund, der „alles weiß“, aber alt und schwach ist und nicht mehr lange leben wird. Und als letztes falle ihr noch ein, dass sie immer schon gern Tagebuch geschrieben habe, in letzter Zeit zwar nicht mehr so häufig, aber das habe ihr immer gut getan und das werde sie vielleicht wieder angehen.

Ich war sehr beeindruckt von dieser Aufzählung und versuchte die Anruferin zu ermuntern, diese Dinge weiter zu pflegen.

Natürlich war am Ende des Gespräches nichts im Leben dieser Frau wirklich anders oder gar gelöst, aber sie fühlte sich ein bisschen erleichterter und bedankte sich für die Zeit.

Und hoffentlich war es auch möglich gewesen, dachte ich mir, dieser Anruferin bewusst zu machen, wie viele, vielleicht als klein erscheinende Ressourcen und Kraftquellen sie in ihrem Leben doch auch besitzt.

Getragen sein

Müde bin ich manchmal, sooo müde.

Alles scheint mir zu schwer, hinsetzen, hinlegen, ausruhen.
Manchmal ist keine Zeit dafür, der Alltag geht weiter und ich trage Verantwortung für andere – die Kinder wollen etwas essen, meine Mutter muss zum Arzt gebracht werden, abends sind mein Mann und ich zu einem Fest eingeladen. Weiterlesen

Nicht gelernt sich zu verbinden

Hineingeboren in ein Umfeld, welches geprägt war von materieller Unsicherheit, machte ihn von Anfang an zum Außenseiter. Viele berichten, wie sie ein schwieriges Umfeld stark gemacht hat. Ihn hat es aus der Bahn geworfen, bzw. nie in die Bahn gelenkt. Er kann sich erinnern, schon im Kindergarten ein Außenseiter gewesen zu sein. Wenn es darum ging sich in Zweierreihe anzustellen, um in den Garten zu gehen, ließen sie ihn spüren, dass er nicht dazu gehörte. Nicht nur einmal blieb er übrig, oder wurde ein Kollege „verpflichtet“ sich mit ihm anzustellen. Weiterlesen

Einsamkeit im Alter

Eine Anruferin erzählt:
„Manchmal habe ich das Gefühl ich verstumme. Da gibt es Tage, wo ich niemand zum Reden habe. Ich habe keine Kinder. Meine Nichten und Neffen sind beschäftigt. Meine beste Freundin ist vor einem Jahr gestorben. Bei anderen Freundinnen hat das Gehör nachgelassen und das Telefonieren ist schwierig. Meistens schaffe ich es mit meinen 92 Jahren wenigstens zwei Mal in der Woche hinauszugehen – zum Einkaufen, zur Ärztin, in die Apotheke. Wenn die Sonne scheint, setzte ich mich auf eine Bank in der Stadt. Dann kommen Bekannte vorbei und wir plaudern. Aber wenn es regnet und stürmt, dann gehe ich nicht aus der Wohnung. Da kommt es vor, dass ich einen ganzen Tag lang kein einziges Wort gesprochen habe. Manchmal rede ich dann mit mir selber. Manchmal bedaure ich mich einfach und fühle mich sehr einsam.

Ein Anruf bei der TelefonSeelsorge holt mich dann wieder heraus. Es macht mir nichts aus, allein zu sein. Aber hin und wieder erzählen zu können wie es mir geht ist schon gut. Dann hebt sich meine Stimmung wieder. Es kommt vor, dass ich mir denke, ich bin schon so viele Jahre auf der Welt, ich habe schon genug erlebt. Es wäre eigentlich schon genug. Aber dann kann ich mich so am Leben freuen. Und dann vergeht das Gefühl der Einsamkeit und ich bin dankbar, dass ich noch auf der Welt bin.“

Vermissen und lieben

Wenn ein geliebter Mensch plötzlich verstirbt, bleibt im ersten Moment die eigene Zeit stehen. Es ist, als ob die Welt rundherum sich weiterdreht, aber ohne dass man selbst noch daran teilnimmt. Der Schock fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Das Realisieren geschieht langsam. Weiterlesen