Tränen dürfen sein

In manchen Gesprächen oder Chats möchte ich mein Gegenüber an die Hand nehmen und auf einen anderen Weg führen: Weg vom Klagen über verständnislose Angehörige. Weg vom „ist es nicht schrecklich“. Ich versuche geradezu verzweifelt, doch etwas Gutes in der Welt zu finden.

Aber ich spüre ich baue nur eine Mauer, verstehe den Suchenden nicht wirklich.

Ich frage mich WARUM? Weiterlesen

Neugier und Mut tun gut

„Mein Leben ist so eintönig. Jeder Tag gleich: aufstehen, schlafen gehen, dazwischen arbeiten – ein ewiges Durchwurschteln. Die Zeit rinnt durch meine Finger, obwohl nichts Besonders passiert. Früher war das anders, irgendwie lebendiger. “

Kommen Ihnen diese Gedanken der Anruferinnen und Anrufer der TelefonSeelsorge bekannt vor?

Gerade der Frühling bietet sich an, um in kleinen Schritten Neues zu wagen. Hier einige Vorschläge:

Haben Sie in diesem Jahr schon einmal

Weiterlesen

Jedes Mal

Jedes Mal,
wenn zwei Menschen einander verzeihen,
ist Weihnachten.
Jedes Mal,
wenn Ihr Verständnis zeigt für Eure Kinder,
ist Weihnachten.
Jedes Mal,
wenn Ihr einem Menschen helft,
ist Weihnachten.
Jedes Mal,
wenn ein Kind geboren wird,
ist Weihnachten.
Jedes Mal, wenn du versuchst, Deinem Leben
Einen neuen Sinn zu geben,
ist Weihnachten.
Jedes Mal,
wenn Ihr einander anseht
mit den Augen des Herzens,
mit einem Lächeln auf den Lippen,
ist Weihnachten.

Aus Brasilien

Einfach „Ich-Sein“ dürfen

Wir verlangen viel von uns: Wir wollen aktiv und voll funktionsfähig sein und dabei möglichst keine Probleme haben, um stark und unabhängig auf andere zu wir
Das Ergebnis davon: Wir verlieren den Zugang zu unserem Selbst, fühlen uns überfordert vom ständigen (un)bewussten Demonstrieren unserer vermeintlichen Stärke und dem Verdecken unserer Probleme. Es geht uns schlecht dabei, aber wir tun weiter – bis es nicht mehr geht und unsere ganze Fassade plötzlich zusammen bricht. Weiterlesen

Ein Blick in eine frühe Kindheit

Ein Anrufer bei der Telefonseelsorge gibt einen Einblick in seine frühe Kindheit. Sie war geprägt von Kränkungen, Verletzungen und Vernachlässigungen, die sich tief eingegraben haben. Immer wieder, mit voller Wucht, bahnen sie sich einen Weg an die Oberfläche.

Weiterlesen

Bitte nicht helfen, es ist so schon schwer genug

Manchmal möchten Kinder einfach nur abladen, ohne gleich „wichtige“ Tipps und Anregungen zu erhalten, was die Lösung sein könnte. Dieses Abladen ist ja schon der erste Schritt in Richtung Veränderung und braucht vorerst nicht mehr als „nur“ das offene Ohr.

Gerne kann gemeinsam reflektiert werden, aber dann darf eine Lösung erst einmal wachsen, sich ausbreiten und Kraft aufnehmen und zwar im Kind und mit seinen Möglichkeiten. Die Hand, die ihm aus der Krise hilft ist oft am Ende seines eigenen Armes, aber wir Erwachsenen trauen diesen Armen zu selten.

Beeinträchtigung und Scham

„Ich bin erst zwanzig Jahre alt und brauche schon Hörgeräte auf beiden Ohren, ich schäme mich so dafür!“ Mit diesen Worten beginnt ein junger Mann seine Mailanfrage an die Telefonseelsorge-Onlineberatung. Er ist verzweifelt wegen dieser starken Beeinträchtigung seiner Hörleistung, trägt aber seine Hörgeräte nicht weil er sich dafür einfach zu jung fühlt. Dadurch bekommt er aber nicht alles genau mit, was andere Menschen zu ihm sagen. Er zieht sich zurück, redet lieber nichts um nicht erkennen zu lassen, dass er etwas falsch verstanden hat. Diese Passivität stempelt ihn als Eigenbrötler ab und er leidet sehr darunter – „eigentlich bin ich nicht so…“

Es ist schwierig mit so einer „verdeckten“ Beeinträchtigung offen umzugehen und doch würde sich diese Offenheit lohnen. In einem Gespräch zu wissen, dass mein Gegenüber schlecht hört gibt mir die Möglichkeit mich drauf einzustellen: deutlicher und langsamer reden, nachfragen ob alles verstanden wurde…

Mut lohnt sich! Mut zu mir selbst zu stehen so wie ich bin! Alles gehört zu uns, unsere glänzenden Seiten und das Unperfekte – es macht uns menschlich und nur so können wir einander menschlich begegnen.

Schwach sein? Dürfen nur die anderen!

„Ich dachte nur: Das gilt vielleicht für andere“ sagte mir vor kurzem eine Frau am Telefon. Es war Wochenende, abends. Sie rief an, weil sie das Gefühl hatte, es bis zur nächsten Therapiesitzung am Mittwoch darauf nicht mehr auszuhalten, ohne mit jemandem zu reden. Dass der Druck wieder zu groß werden würde, die Wolken wieder zu dunkel.

Bis sie endlich eine Therapie begonnen hatte, erzählte sie mir, war viel passiert. Eine unerfüllte Liebe, dann jahrelanges Ablenken durch Arbeit und Ignorieren aller Männer, die nächste unerfüllte Liebe, ein Pflegefall zu Hause, der 40. Geburtstag, noch immer kinderlos, der Verlust der guten Beziehung zu ihrem Bruder. Sie steigerte sich wieder in die Arbeit, holte sich dadurch Bestätigung, fühlte sich wichtig. Doch immer wieder kam das Wochenende. Wo es keinen Grund gab, für die Firma etwas zu tun. Irgendwann gab es auch im Haus nichts mehr zu reparieren. Und irgendwann kam dann Weihnachten. Ein alleine verbrachtes Weihnachten. Weil sie sich zu alt fühlte, um Weihnachten als Kind mit ihren Eltern zu verbringen. Weil die, mit denen sie es verbringen wollte, sich keine Zeit für sie nahmen. Weihnachten alleine ergab keinen Sinn, die Zukunft ergab keinen Sinn. Also verbrachte sie die Feiertage damit, sich einen schmerzlosen Weg aus dem Leben zu überlegen.

In diesen Tagen damals war jegliche Kraft aus ihr gewichen, sodass sie ihr Vorhaben nicht umsetzte. Als das neue Jahr begann, schaffte sie es wieder aus dem Haus und beschloss, noch nicht aufzugeben. Sie suchte sich eine Therapeutin. Diese sagte ihr in einer der ersten Sitzung „Sie dürfen auch mal schwach sein.“ Genau das löste die zu Anfang erwähnte Reaktion aus: „Ich dachte nur: Das gilt vielleicht für andere“

Ich glaube, dass diese Reaktion symptomatisch ist. Viele von uns sind Getriebene, haben das Gefühl, immer Leistung bringen, immer funktionieren zu müssen. Nicht schwach sein zu dürfen. Nicht anlehnungsbedürftig sein zu dürfen. Schief angeschaut zu werden, wenn sie sich öffnen. Es war schön, diese Geschichte zu hören, weil sie ein gutes Ende nahm. Die Frau hat ins Leben zurück gefunden. Aber nicht nur das: Sie hat auch gelernt, ihre schwachen Seiten zu akzeptieren. Hilfe zuzulassen. Sich zu trauen, sich an jemanden zu wenden.

Wir freuen uns immer darüber, Menschen auf diesem Weg ein Stück begleiten zu können. Dabei ist es ganz egal, ob sie am Anfang stehen und der Kontakt mit uns die erste Hürde oder ob sie mittendrin sind und nur akut jemanden brauchen, der die Situation mit ihnen gemeinsam aushält.