Wenn die Seele in Turbulenzen gerät, …

… dann spielen viele Faktoren dabei eine Rolle. Selbstvertrauen, Lebenssinn, oder soziale Bindungen, aber auch Wohlbefinden und Lebensqualität sind wesentlich für unsere seelische Gesundheit. Wenn dir davon etwas abhandenkommt, oder die Seele von außen verletzt wird, dann bist zuerst einmal DU selbst die beste Heilerin bzw. der beste Heiler.

Wie kannst du die Fähigkeiten und Haltungen erlangen, um jene Anforderungen gut zu bewältigen, die täglich anstehen? Wo findest du den Balsam für die Narben auf deiner Seele?

Peter Schellenbaum sagt: „Heilung geschieht durch Berührung mit der eigenen Wahrheit, durch körperliches und seelisches „In-Fühlung-Treten“ mit dem was schmerzt und stört. Riskiere einen offenen Blick auf das was ist.“.

Weiters habe Geduld! Seelische Genesung ist ein Prozess und geht nicht von heute auf morgen. Sie geht einher mit dem Verändern deines Denkens und deines Handelns.

Liebe geben, Liebe nehmen, berühren und sich berühren lassen, Sicherheit aufbauen, deine Gefühle zum Ausdruck bringen, Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen, das Selbstvertrauen wieder stärken, sind Themen, die in guten Zeiten schon geübt werden sollten, um dann in schwierigen Phasen darauf zurück greifen zu können.

Leicht gesagt, aber noch lange nicht getan. Beginne daher mit kleinen Schritten, wie z.B. jemand einen Gefallen zu tun, einem Gegenüber ein Lächeln schenken, die Natur wieder einmal in Ruhe und ausgiebig betrachten, einem Freund oder einer Freundin einen Brief oder eine Karte schreiben, einen Spaziergang im Regen machen, einen Baum pflanzen, jemanden umarmen, …

Wenn du eines dieser Dinge gemacht hast, mach Pause und dann nimmst du dir eine nächste Aufgabe vor. Freue dich über deine Fortschritte!

Lernen mit Konflikten umzugehen

„Du solltest lernen, mit Konflikten umzugehen!“ Tja, wie oft habe ich diesen Satz schon gehört, so dass ich ihn eigentlich gar nicht mehr hören mag. In dem Moment, wo ich ihn höre, verschließt sich etwas in mir, kein Wort kann ich dann mehr sagen. Ein gewisser Groll mir gegenüber macht sich bemerkbar. Warum reagiere ich jedes Mal mit solch einer Ablehnung? Sollte ich mir mal die Zeit nehmen und darüber nachdenken, warum das mit mir passiert und was mich eigentlich so daran stört? Und wieder schleicht sich ein Unbehagen an die Oberfläche. Es kommt mir so „lehrerhaft“ vor, so besserwisserisch. Es gibt mir auch das Gefühl, dass ich es absichtlich nicht können will, weil ich nicht hinschauen will, weil ich nicht fähig bin, „angemessen“ darauf zu reagieren. Es macht mich ohnmächtig und tut weh, wenn ich genauer hinschaue. Ich mag Konflikte einfach nicht. Irgendwie bin ich grad mittendrin im Schlamassel. Und was ist, wenn ich es einfach aussitze?
Na ja, auch nicht wirklich gut. Puh, na gut, wenn ich schon mal angefangen habe, dann bleib ich jetzt mal dran, ausnahmsweise. Mein Widerstand bröckelt, ich glaube, das ist ein gutes Zeichen. Vielleicht ist es doch nicht so schwer?

Fernweh und Grenzen

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein …“

Diese berühmte Liedzeile von Reinhard Mey versetzt wohl viele von uns in eine angenehme Hochstimmung. Umso mehr vielleicht mit der Aussicht auf kommende sommerliche Ferienereignisse, die uns aus unserem Alltag herausführen und in verschiedener Hinsicht solche Grenzüberschreitungen versprechen.

Denn wer ersehnt sich das nicht? Das Gefühl von Ungebundenheit und Leichtigkeit, von Freiheit und Grenzenlosigkeit.

Denn die Grenzen sind allgegenwärtig: in unserem Leben und Alltag, in unseren Lebensgeschichten und Lebensräumen, die Grenzen, die unser Körper vorgibt, und die Grenzen in unseren Köpfen und in unseren Herzen. Wir spüren diese Grenzen und manchmal engen sie uns ein und behindern uns. Sie machen uns starr.

In der Telefonseelsorge rufen Menschen an, die solche negativen Grenzerfahrungen gemacht haben und täglich wieder machen.

Manche leben allein und sind einsam. Sie schaffen die Grenzüberwindung zu einem anderen Menschen nicht oder nur schwer.

Andere haben eine psychische Erkrankung und fühlen sich ausgegrenzt. Sie können die Grenze zu einem „normalen“ Leben hin nur mühsam überschreiten und stecken in ihrer Krankheit fest.

Manche Menschen sind wohnungslos oder arbeitslos. Materielle Sorgen und Nöte ziehen Grenzen, durch die die Möglichkeiten einer glücklichen Lebensgestaltung unterbunden oder zumindest eingeschränkt werden.

Wie können wir solche Grenzen überwinden und überschreiten? Oder wenigstens weiten und dehnen? Wie können wir Menschen es schaffen, besser mit Grenzen umzugehen und zu leichtfüßigeren Grenzgängern zu werden?

Das sind schwer zu beantwortende Fragen. In der Telefonseelsorge machen wir uns Gedanken darüber und versuchen, diese grenzüberschreitenden Über-den-Wolken-Aussichten für alle Menschen nicht aus den Augen zu verlieren!

Urlaubsreif – 5 Minuten Kurzurlaub

Es ist ein ganz normaler Donnerstagmorgen. Mein Mann ist schon auf dem Weg in die Arbeit. Unsere älteste Tochter möchte nicht in die Schule gehen, denn in der ersten Stunde steht Deutschschularbeit an. „Ich will keine Schularbeit schreiben. Erörterungen sind blöd!“, meint sie. Die jüngere Tochter möchte für einen Geschichtetest noch wissen, was ein „Stellungskrieg“ ist.

Ich versuche indessen, meinen eigenen Tag zu planen: Beruf, Besuch bei pflegebedürftigen Verwandten und Elternabend. In der Hektik kommt mir ein Gedanke:

Heute gönne ich ihn mir – meinen Kurzurlaub von fünf Minuten, in dem ich in Ruhe eine Tasse Kaffee trinke, in die Sonne schaue oder das tägliche Rätsel in der Zeitung löse. Ich nehme mir fünf Minuten, um mit einer Freundin zu telefonieren, mein Lieblingslied zu hören oder den Urlaubskatalog anzuschauen. Ich gestatte mir eine Öffi-Station zu Fuß zu gehen oder einfach nur fünf Minuten zu sitzen und nichts zu tun.

Eine kleine Auszeit vom Alltag, in der ich über meine Zeit selbst bestimme und sie nach meinen Vorstellungen und Bedürfnissen fülle und verbringen, ermöglicht mir danach erholter und gelassener in den Alltag zurückzukehren.

Probieren Sie es aus!

Wenn Ihnen fünf Minuten zu lang sind, buchen Sie einen Kurzurlaub von drei Minuten. Und sollten Sie den Urlaub später verlängern wollen, dann tun Sie es!

Wanderlust, Fernweh, Leben genießen

So gern ist Maria mit ihren Enkelkindern auf den Reiterhof gefahren. Wochen davor hatte sie sich schon darauf gefreut.

Und plötzlich war alles anders. Eine schwere Krankheit und ihre Folgen hatten sie ausgebremst. Vieles von dem, was vorher möglich war, ging nun nicht mehr. Trauer tauchte auf, manchmal auch ein wenig Neid auf andere, und dazu der Stress, soviel Zeit wie möglich noch mit ihrer Familie zu erleben, bevor die Diagnose sich verschlechtern könnte.

Schrittweise aber arrangiert sie sich, entdeckt Lebensqualität in ganz kleinen Dingen. Welche Freude, als das Essen wieder schmeckt, und sie es genießen kann, nachdem es lange Zeit durch die Therapien nur nach Metall geschmeckt hat.

Statt langer Reisen freut sie sich über einen Nachmittag im Garten mit ihren Enkelkindern, über einen kleinen Spaziergang, über das Zwitschern der Vögel vor ihrem Balkon.

Ich lerne von ihr die Qualität der Nähe zu entdecken.

Wandern

„Wandern ist eine Tätigkeit der Beine und ein Zustand der Seele.“  Dieses Zitat von Josef Hofmiller bringt auf den Punkt, warum es so viele Menschen immer wieder und so oft in die Berge zieht.  Gerade in den warmen Sommermonaten genießen wir es, dort Zeit zu verbringen. Wir wandern durch die Natur, bestaunen die Schönheit der Umgebung, freuen uns, dass es etwas kühler ist und streben dem Gipfel entgegen. All diese Dinge tragen dazu bei, dass wir selbst (innere) Freiheit erleben und es auch unserer Seele gut geht.

Wandern ist nicht nur die körperliche Betätigung an sich. Sie steht manchmal auch sinnbildlich für unser Leben. Wir machen uns auf den Weg, genießen schöne Momente, stolpern über manchen Stein und freuen uns, wenn wir an unserem Ziel ankommen und ins Tal blicken können. Gerade dieser Blick umher und in die Tiefe tut auch uns in unserem Leben gut.

Manchmal müssen wir unser Leben aus der Vogelperspektive betrachten. Es kann hilfreich sein, Probleme und Herausforderungen aus der Distanz anzuschauen. Mit etwas Abstand erkennen wir den einen oder anderen Stolperstein, sehen unsere eigenen kleinen und größeren Abgründe, können aber auch feststellen, welchen Weg und welche schwierigen Stellen wir selbst schon gemeistert haben. Dadurch gewinnen wir Freiheit, aber auch innere Sicherheit. Wir erkennen, was wir schon alles geschafft haben und können unser Leben mehr genießen und schätzen.

Daher: Nützen wir die schönen Sommermonate und wagen wir uns in die (kühlen) Berge oder auf die grünen Almen. Machen wir uns auf den Weg und schauen wir ab und zu auch auf unseren eigenen „Wanderweg“ zurück.

Anderen etwas geben

„Schenken heißt, einem anderen etwas geben, was man am liebsten selbst behalten möchte.“ Dies ist ein wunderbares Zitat der bekannten schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf, auch bekannt für ihre Geschichten über Nils Holgersson und die Reise mit den Wildgänsen. Wie habe ich diese Abenteuer als Kind geliebt!

Schenken heißt aber auch, sich Gedanken zu machen, was dem Gegenüber Freude macht, was sein Herz berührt und natürlich auch, ob man es gut „gebrauchen“ kann. Sich Zeit zu nehmen und zu überlegen, was man schenken möchte, kann etwas sehr Schönes sein. Es ist ein Auseinandersetzen mit diesem Menschen, ein Einfühlen in dessen Welt und Vorlieben und für mich auch ein Zeichen der Wertschätzung und Zuneigung. Allein schon das Überlegen und Nachdenken darüber hat seinen besonderen Wert. Und wenn dann ein Lächeln dem Beschenkten übers Gesicht huscht, kann das schon ein magischer Moment sein.

Und was hat das mit der Telefonseelsorge zu tun? Im Grunde sehr viel. Ein Gespräch bedeutet auch, sich mit dem Gegenüber auseinanderzusetzten, empathisch zu sein und sich zu überlegen, was dieser Mensch jetzt gerade gut „gebrauchen“ könnte. Es ist die Zeit des Gespräches, die ich als Telefonberaterin meinem Gegenüber schenke.

Manchmal werde ich auch umgekehrt vom Anrufenden beschenkt. Wenn ein schönes Gespräch von Herz zu Herz möglich war, zaubert sich ein Lächeln ebenso auf mein Gesicht.

Schenken ist etwas herzerwärmend Wunderbares!

Dankbarkeit im Alltag

Wofür bist du heute dankbar?

Dankbarkeit ist ein positives Gefühl und auch eine Lebenshaltung.

Dankbar sein zu können führt zu einer besseren Lebensqualität und erhöht die Lebenszufriedenheit.

Dankbar zu sein ist ein stilles und verborgenes Gefühl. Es verleitet uns meist nicht zu heftigen Gefühlsausbrüchen, aber kann uns doch ein bisschen über den Boden heben.

Dankbarkeit ist auch eine Grundhaltung meines religiösen und spirituellen Lebens, ich bin Gott dankbar für meine Familie, meine Freunde, für meine Gesundheit und für mein friedliches und existenzgesichertes Leben.

Ich kann meine Dankbarkeit in Worten, Gesten und durch meine Mimik ausdrücken. Ich bedanke mich ausdrücklich mit dem Wort „Danke“ oder ich lächle einem lieben Menschen zu. Damit drücke ich meine Anerkennung und Wertschätzung aus.

Heute habe ich einen „Dankbarkeits-Check“ gemacht:

  • Sehr gut geschlafen
  • Ohne Wecker aufgewacht
  • Herrlichen Kaffee am Frühstückstisch getrunken
  • Liebe Worte von einem Arbeitskollegen bekommen
  • Produktive Phase am Nachmittag gehabt
  • Eine echt witzige Whatsapp-Nachricht bekommen
  • Mit meinen Lieben zu Abend gegessen
  • Im Bett gelesen
  • Müde eingeschlafen

Natürlich gibt es in meinem Leben immer wieder Steine, die mir in den Weg gelegt werden und Ziele, die ich nicht erreiche. Natürlich sind das dann große Herausforderungen, meine Dankbarkeit nicht zu verlieren. Und trotzdem bin ich davon überzeugt, dass Dankbarkeit immer ein wichtiger Baustein für (m)ein glückliches Leben bleiben wird.

Dankbarkeit für die kleinen Dinge im Leben

Manchmal kommen wir an einen Punkt im Leben, an dem wir nur mehr die nicht so schönen Dinge sehen, Kummer haben und belastet sind. Das Leben scheint uns dann dunkel und schwer zu sein. Es ist für uns dann oft auch wirklich schwierig, aus dieser Spirale auszubrechen und darauf zu schauen, was wir eigentlich Schönes und Gutes in unserem Leben haben.

Ein kleiner Perspektivenwechsel kann uns manchmal dabei helfen, wieder hoffnungsvoller in die Zukunft zu schauen.  Ein Blick auf die Dinge, die uns Kraft geben, die wir als Ressource in unserem Leben haben und die uns ein (wenn auch kleines) Lächeln auf die Lippen zaubern, kann oft Wunder bewirken. Oft vergessen wir ganz einfach darauf, auch dankbar dafür zu sein, was wir an kleinen und großen Freuden in unserem Leben haben: die Menschen, die uns Kraft geben, die schönen Momente, die wir erlebt haben und erleben oder die Wunder, die uns die Natur gerade jetzt im Frühjahr tagtäglich zeigt.

Legen wir unseren Fokus darauf, DANKE zu sagen und dankbar für all die kleinen Dinge zu sein, die unser Leben lebenswert machen! Sie können uns manchmal unseren Kummer nicht nehmen, aber ein kleiner Lichtstrahl in der Dunkelheit sein, an dem wir uns festhalten können!

Ein Zitat von Francis Bacon macht uns deutlich, dass ein anderer Blickwinkel manchmal eine große Hilfe sein kann: „Nicht die Glücklichen sind dankbar, es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“

Danke, dass Sie mir zugehört haben….

„Danke, dass Sie mir zugehört haben.“ 

„Danke, ich konnte mir alles von der Seele reden und es hat so gutgetan, dass wir auch miteinander gelacht haben.“

Menschen, die bei der TelefonSeelsorge anrufen, sind oft so dankbar, auf einen Menschen zu treffen, der sich Zeit nimmt, der zuhört, der sie ausreden lässt, der beim Sortieren von Gedanken und Gefühlen hilft und der nicht bewertet, was sie richtig oder falsch gemacht haben.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass es ganz und gar nicht selbstverständlich ist, einen guten Zuhörer oder eine gute Zuhörerin zu finden. Eine kleine Geschichte fällt mir dazu ein:

Als Familie sind wir eine Zeit lang nach Kärnten auf einen Bauernhof gefahren. Der Bauer dort war ein alter Mann, der gerne mit den Gästen sprach. Wenn man ihm etwas erzählte, dann schaute er einen an, hörte ganz aufmerksam zu und sagte dann: „Interessant“ – und oft gar nicht mehr.  Wenn man in sein Gesicht sah, dann spürte man, dass er das wirklich ernst meinte. Es schien geradezu so, als würde er dem Gehörten noch wohlwollend nachsinnen.  Und dann hatte man plötzlich das Gefühl, dass das, was man gerade gesagt hatte, wirklich interessant war und dass man selber als Person ja eigentlich auch ganz interessant war. Das war ganz wunderbar.

Durch das interessierte Zuhören und die Wertschätzung dieses alten Mannes fühlte ich mich geschätzt und geehrt.  Dafür bin ich nach all diesen Jahren noch sehr dankbar. Er ist mir ein Vorbild.