Gemeinsam im Hamsterrad …

„Derzeit geht es mir mit unserer Beziehung nicht gut. Es fühlt sich an, wie wenn wir auf zwei gleich verlaufenden, aber voneinander getrennten Wegen unterwegs sind. Die Richtung ist dieselbe, irgendwann treffen wir uns vielleicht auch wieder auf einem Weg und gehen miteinander weiter, aber derzeit gibt es wenig Gemeinsames.“

Die Betroffenheit der Anruferin ist spürbar.

Auf welchen Wegen sie und ihr Mann denn gerade unterwegs seien, frage ich.

Sie seufzt tief. Beide sind vollzeitbeschäftigt, beide haben gerade viel Stress im Job und dann ist da noch die Baustelle. Sie bauen gerade Haus, machen vieles selbst und wollen Ende des Jahres einziehen.

Ihre Gespräche drehen sich nur mehr um die To-dos auf der Baustelle und den Stress im Job. „Eh, klar“, meint sie abschließend, „wahrscheinlich geht es auch nicht anders und ist bei allen so. Das wird schon wieder.“ Weiterlesen

Die Grenzen des Zuhörens

Sie kann´s nicht mehr hören. In einer Kampagne der Wiener Linien für mehr Rücksichtnahme, wird dafür geworben, das laute Telefonieren in den öffentlichen Verkehrsmitteln sein zu lassen.

Tatsächlich kann es sehr nervend sein, wenn man in der U-Bahn oder im Zug etwas lesen möchte und nicht umhin kann, gleichzeitig der raumfüllenden Kommunikation eines Fremden zuhören zu müssen. Ich kann´s nicht mehr hören – ist ein Satz, der wohl auch in vielen persönlichen und beruflichen Kontakten gedacht oder gesagt wird.

 Die Stopp-Taste drücken

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Schadenfreude und Psychohygiene

Sie ist in vielen Kulturen und Religionen geächtet, kommt aber überall vor. Manchmal sind Spiele darauf aufgebaut, wie z.B. das Kartenspiel „Schwarzer Kater“, oder „Mensch ärgere Dich nicht“, auch die moralinsaure Geschichte von Max und Moritz, oder unsere Aprilscherze leben von der Schadenfreude.
Trotz der Ächtung scheint sie aber auch eine heilsame, bzw. reinigende Wirkung zu haben. Es tröstet, wenn man sieht, dass Missgeschicke auch anderen passieren können, es befreit, wenn die Überheblichkeit einmal einen Dämpfer bekommt und es tut gut, wenn jene, welche mit ausgefahrenen Ellbogen durchs Leben gehen, auch einmal den Kürzeren ziehen.

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Zuhören – was ist dabei wichtig?

Mitten in der Nacht – ein Anruf bei der Telefonseelsorge. Ein offensichtlich alter Mann sagt, dass seine Frau vor zwei Tagen gestorben ist.

Das tut mir leid. Wie geht es Ihnen? Eigentlich möchte ich auch nicht mehr weiterleben. Das Leben hat ja nun gar keinen Sinn mehr für mich. Ich frage ihn nach seiner Frau. Was war sie für ein Mensch? Und dann erzählt er mit ruhiger Stimme, beinahe eine halbe Stunde lang, von ihrem gemeinsamen Leben, von amüsanten Erlebnissen, davon, wie schön sie war, was er alles an ihr geschätzt hat. Es ist wie ein Nachruf voller Liebe, ein Nachklang, wie er nicht würdigender und wertschätzender sein könnte.

Sich selbst zuhören

In so einem Gespräch gibt es keine Lösung, aber eine zutiefst geteilte Lebensgeschichte, die eine Beziehung zwischen dem Erzählenden und der Zuhörenden schafft. Zuhören heißt sich bescheiden, Zeit schenken, ganz präsent sein, wahrhaftig sein. Zuhören heißt, einfach auch einmal still zu sein. Weiterlesen

Bin ich Schuld an der Krankheit meines Kindes?

Eltern von psychisch kranken Kindern stellen sich oft die Frage: Wieviel Schuld habe ich daran?

Dass es in einer Familie eine gewisse Dynamik gibt auf die jedes Familienmitglied Einfluss hat, ist mittlerweile bekannt und auch nachvollziehbar. Systemische Familientherapeuten konzentrieren sich sehr darauf und geben oft das Gefühl dass es allein an diesem System liegt, das diese Krankheit verursacht und festhält.

Mit meinem Baby im Arm war ich so glücklich, dass gerade ich auserwählt wurde, Mutter dieser kleinen Tochter zu werden. Alles wollte ich hundertprozentig richtig machen. Schließlich hatte ich in Kinderpsychologie maturiert, verschlang die neuesten Baby- und Erziehungsratgeber. Sie schrie mehr als andere Babys und bald schon waren Zwänge erkennbar. Verschiedenste Therapieformen, die ganze Familie wurde einbezogen, konnten sie nicht heilen. Es veränderten sich die Symptome, aus Ängsten, Zwängen und Phobien wurde schließlich eine chronische Essstörung, die nach zwanzig Jahren Krankheit den Körper so sehr schwächte, dass meine Tochter daran starb. Weiterlesen

Cyber-Mobbing, Cyber-Grooming, Sexting und Shit-Storms…

Das Internet erleichtert uns tagtäglich das Leben und ermöglicht es, uns mit Freunden, Bekannten aber auch Fremden über verschiedenste Themen auszutauschen. Das ist angenehm und praktisch. Wer über das Internet kommuniziert, ist leider aber auch so manchen Gefahren ausgesetzt.

„Cybermobbing, Grooming, Sexting, Shit-Storms…“ – all das sind Begriffe, die es noch nicht lange gibt. Aber was versteckt sich hinter den neuartigen Wortschöpfungen?

Cyber-Mobbing

… bezeichnet das absichtliche Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen, Belästigen oder Ausgrenzen über das Internet. Meistens gehen die Angriffe von Personen aus dem eigenen Umfeld aus. Das schlimme dabei ist, dass sich im Internet verbreitete Gerüchte oder Beschimpfungen sehr schnell verbreiten. Weiterlesen

Selbst-Vergebung

„Können Sie es sich SELBST-vergeben?“

Mein Gegenüber hadert sehr mit sich selbst. Er hat etwas getan, wovon er absolut überzeugt ist, dass ihm nicht verziehen wird und er fürchtet die Konsequenzen.

Selbstvergebung ist dann ein erster Schritt sich mit eigenen Schuldgefühlen zu versöhnen und keine Energie mehr in Selbstzerfleischung zu vergeuden.

Die frei gewordene Energie ermöglicht eine andere Sichtweise auf das Problem. In der Folge können kreative Strategien entwickelt werden, um heil aus dieser Situation raus zu kommen.

Mahatma Gandhi sagt über Vergebung:
„Der Schwache kann nicht vergeben.
Sich selbst zu vergeben stärkt!

 

Zuhören an bestimmten Orten

Wir Menschen sind Beziehungswesen und wir brauchen Kommunikation und Austausch. Wir wollen uns mitteilen, besonders dann, wenn uns etwas gefühlsmäßig nahegeht, wenn wir uns über etwas geärgert haben oder auch besonders gefreut. Dann, wenn wir Angst haben, wenn uns etwas Schlimmes passiert ist oder wenn wir einen schmerzhaften Verlust erlitten haben.

Aber auch scheinbar banale Dinge möchte man gerne teilen, z.B. wie der letzte Urlaub war, welchen Kinofilm man gesehen hat oder wie das Wetter wird. Wer etwas mitteilen will, braucht eine Zuhörerin oder einen Zuhörer, der sich interessiert und aufmerksam ist und Zeit hat. All das ist heutzutage nicht so selbstverständlich zu haben. Weiterlesen

Der störrische Rudi

Ein strahlend schöner Frühlingstag in einem österreichischen Skigebiet.

Im Ski-Kinderland ist nicht viel los. Ein paar Väter begleiten ihre Kinder bei den ersten Versuchen auf Skiern zu stehen, die Mütter haben auf den Liegestühlen Platz genommen.

Doch etwas stört die Idylle! Zwischen Zauberteppich und Liegestühlen steht ein ca. fünfjähriger Bub in voller Montur und weint herzzerreißend, immer wieder laut „Mama, Mama“ rufend.

Mich sorgenvoll umsehend, erblicke ich die Oma des Buben in etwa 10 Meter Entfernung. Sie unterbricht kurz ein angeregtes Telefonat und ruft dem weinenden Buben zu: „Geh‘ doch zur Mama, die ist eh da oben!“

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Zuhören von Anfang an

Hören und Zuhören ist nicht dasselbe. Im Englischen gibt es dafür zwei Vokabeln: to hear und to listen. To hear meint, dass ich etwas wahrnehme, was an mein Ohr dringt. To listen – dass ich mich einer Person ganz bewusst zuwende.

Zuhören in diesem Sinne können natürlich auch Menschen, deren Hörorgan geschädigt ist. Ich kannte in meiner Jugend viele taubblinde Menschen, die im Laufe ihres Lebens sowohl das Augenlicht als auch das Gehör verloren hatten. Mit einer eigenen Tastsprache konnten wir einander über unsere Hände wunderbar zuhören.

Ich und du

Zuhören ist auch nicht an den Intellekt gebunden. Die wohl zauberhafteste Kommunikation ist die mit einem kleinen Kind. Babylaute, erstes Brabbeln, Sprechversuche, Staunen, Fragen, Erzählen. Die Freude der Eltern und der Familie an diesen ersten Lauten ermutigt das Kind, sich auch weiterhin zum Ausdruck zu bringen. Diese fürsorgliche Zuwendung ist zutiefst identitätsstiftend. Das Kind erlebt sich als existent, als „ich“ in Beziehung zu einem vertrauensvollen „Du“, so wie es der Philosoph Martin Buber formuliert hat.

Ich denke, dass diese Grunderfahrung vielleicht überhaupt motiviert, einem anderen Menschen zuhören zu wollen und dies auch als zutiefst sinnstiftend zu erleben. Selbstverständlich ist das nicht, denn Zuhören hat keinen sehr hohen Wert in unserer Gesellschaft. Unsere Kommunikation wird immer mehr visualisiert und ist stärker aufs Senden von Mitteilungen programmiert, als aufs Empfangen. Berufliche und familiäre Herausforderungen nehmen uns in Anspruch und wir haben oft einfach den Kopf schon so voll und kaum Zeit.

Aber jeder von uns kennt auch die wunderbaren Momente der Begegnung mit einem lieben Menschen, der ehrlich und interessiert fragt, wie es mir geht, der nachfragt, mit mir meinen Ärger oder meine Freude teilt und mit mir von Herzen lacht. Solche Begegnungen wünsche ich uns allen – jeden Tag.