Angst

Bogenförmige Rahmung aus HerbstblätternUnsere größte Angst ist es, nicht liebenswert zu sein, nicht geliebt zu werden, nichts wert zu sein.
Wer als Baby und Kleinkind nicht genügend liebevolle Zuwendung bekommt, dem fehlt das Urvertrauen, liebenswert zu sein. Es ist nicht unmöglich, aber schwer, dieses Manko auszugleichen, diese Sehnsucht nach Liebe gestillt zu bekommen und sich selbst als liebevoll zu erleben.


Jeder Mensch ist wertvoll und liebenswert. Einfach so, ganz ohne Leistung! Können wir das glauben? Können wir das annehmen?
Jeder Mensch ist viel tiefer geliebt, als er das in seinem Leben jemals erfassen kann.

Als ich zehn Jahre alt war, fühlte ich mich auch verlassen und ungeliebt und wollte sterben. Damals betete ich zum ersten Mal.
„Gibt es da jemanden, der mich liebt? Gibt es dich, Lieber Gott? Ist es egal, ob ich lebe oder sterbe?“
Ich bekam eine Antwort. Ja, es gibt da jemanden, der uns liebt. Einfach so. Ohne Leistung. Es ist nicht egal, ob ich lebe oder sterbe. Ich bin ein geliebtes Kind Gottes und ich muss nicht, sondern darf leben, glücklich leben. So soll es sein!

Viele Jahre später fand mich das Rilke Gedicht „Herbst“.

Die Blätter fallen,
fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke