ANGST VOR DEM TOD

„Vor 3 Wochen habe ich erfahren, dass ich unheilbar krank bin. Ich habe Krebs im Endstadium und meine Lebensaussichten sind 3 – 5 Monat“, klagt eine sehr leise und traurige weibliche Stimme am Telefon. „Ich habe so große Angst davor zu sterben, so gerne hätte ich noch miterlebt, was aus meiner Enkelin wird. Sie geht auf die Schauspielschule in Wien und hat schon bald ihre letzte große Prüfung. So gerne hätte ich noch eine Reise mit dem Schiff gemacht, so wie man dies im Fernsehen sieht“. So gerne hätte ich ……

Für jeden Menschen ein großer Schock und auch als Berater steht man dieser Situation machtlos gegenüber. Die Frage nach dem WARUM kann man nicht abklären. Die Frage, was nach dem Tod kommt, kann man nur als gläubiger Mensch beantworten. Wenn man nicht an ein Leben nach dem Tod, also an Gott glaubt, muss man auch bei dieser Frage passen. Das schlimmste aber ist, dass alle Fragen und auch alle Antworten völlig sinnlos sind, denn zu groß sind Hoffnungslosigkeit, Trauer und vor allem die ANGST.

Leider können wir das Leben eines Menschen nicht verlängern, nicht einmal um eine Minute. Wir können ihn zwar begleiten und seine Hand halten bis zum letzten Schritt auf dieser Welt, aber dann müssen wir ihn alleine lassen. Denn er muss alles zurücklassen was ihm wichtig war, was er liebt, was sein Leben war, a l l e s.

Der einzige Trost wird wohl sein, dass dieses Abschiednehmen UNS ALLE trifft. Es kann schon in der nächsten Minute passieren oder erst in 30 Jahren, wir wissen es nicht. Aber wenn man weiß, dass es schon bald sein wird, kann man sich entsprechend darauf vorbereiten, alles Unausgesprochene aussprechen, alles Ungelöste auflösen und alle Menschen noch einmal umarmen. Man kann nochmals versuchen auf dem Regenbogen zu tanzen, den Wind und die Sonne auf seiner Haut zu fühlen und eins werden mit sich und der Welt. Dieser Gedanke kann vielleicht einem zum baldigen Tode „verurteilten“ Menschen ein ganz kleiner Trost sein.