Archiv für den Monat: März 2017

Zuhören an bestimmten Orten

Wir Menschen sind Beziehungswesen und wir brauchen Kommunikation und Austausch. Wir wollen uns mitteilen, besonders dann, wenn uns etwas gefühlsmäßig nahegeht, wenn wir uns über etwas geärgert haben oder auch besonders gefreut. Dann, wenn wir Angst haben, wenn uns etwas Schlimmes passiert ist oder wenn wir einen schmerzhaften Verlust erlitten haben.

Aber auch scheinbar banale Dinge möchte man gerne teilen, z.B. wie der letzte Urlaub war, welchen Kinofilm man gesehen hat oder wie das Wetter wird. Wer etwas mitteilen will, braucht eine Zuhörerin oder einen Zuhörer, der sich interessiert und aufmerksam ist und Zeit hat. All das ist heutzutage nicht so selbstverständlich zu haben. Weiterlesen

Der störrische Rudi

Ein strahlend schöner Frühlingstag in einem österreichischen Skigebiet.

Im Ski-Kinderland ist nicht viel los. Ein paar Väter begleiten ihre Kinder bei den ersten Versuchen auf Skiern zu stehen, die Mütter haben auf den Liegestühlen Platz genommen.

Doch etwas stört die Idylle! Zwischen Zauberteppich und Liegestühlen steht ein ca. fünfjähriger Bub in voller Montur und weint herzzerreißend, immer wieder laut „Mama, Mama“ rufend.

Mich sorgenvoll umsehend, erblicke ich die Oma des Buben in etwa 10 Meter Entfernung. Sie unterbricht kurz ein angeregtes Telefonat und ruft dem weinenden Buben zu: „Geh‘ doch zur Mama, die ist eh da oben!“

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Zuhören von Anfang an

Hören und Zuhören ist nicht dasselbe. Im Englischen gibt es dafür zwei Vokabeln: to hear und to listen. To hear meint, dass ich etwas wahrnehme, was an mein Ohr dringt. To listen – dass ich mich einer Person ganz bewusst zuwende.

Zuhören in diesem Sinne können natürlich auch Menschen, deren Hörorgan geschädigt ist. Ich kannte in meiner Jugend viele taubblinde Menschen, die im Laufe ihres Lebens sowohl das Augenlicht als auch das Gehör verloren hatten. Mit einer eigenen Tastsprache konnten wir einander über unsere Hände wunderbar zuhören.

Ich und du

Zuhören ist auch nicht an den Intellekt gebunden. Die wohl zauberhafteste Kommunikation ist die mit einem kleinen Kind. Babylaute, erstes Brabbeln, Sprechversuche, Staunen, Fragen, Erzählen. Die Freude der Eltern und der Familie an diesen ersten Lauten ermutigt das Kind, sich auch weiterhin zum Ausdruck zu bringen. Diese fürsorgliche Zuwendung ist zutiefst identitätsstiftend. Das Kind erlebt sich als existent, als „ich“ in Beziehung zu einem vertrauensvollen „Du“, so wie es der Philosoph Martin Buber formuliert hat.

Ich denke, dass diese Grunderfahrung vielleicht überhaupt motiviert, einem anderen Menschen zuhören zu wollen und dies auch als zutiefst sinnstiftend zu erleben. Selbstverständlich ist das nicht, denn Zuhören hat keinen sehr hohen Wert in unserer Gesellschaft. Unsere Kommunikation wird immer mehr visualisiert und ist stärker aufs Senden von Mitteilungen programmiert, als aufs Empfangen. Berufliche und familiäre Herausforderungen nehmen uns in Anspruch und wir haben oft einfach den Kopf schon so voll und kaum Zeit.

Aber jeder von uns kennt auch die wunderbaren Momente der Begegnung mit einem lieben Menschen, der ehrlich und interessiert fragt, wie es mir geht, der nachfragt, mit mir meinen Ärger oder meine Freude teilt und mit mir von Herzen lacht. Solche Begegnungen wünsche ich uns allen – jeden Tag.

 

 

Still bleiben? Oder Aufbegehren?

A Hund allan bellt net lang

Es war eine besondere Begegnung, ein Gespräch,  das mir in Erinnerung geblieben ist.
Die alte Dame hatte eine bewegte Lebensgeschichte, auch mit viel Kummer in ihrem langen Leben.

Und trotz allem hatte sie sich eine große Heiterkeit bewahrt, eine fröhliche Gelassenheit. So erzählte sie auch von Meinungsverschiedenheiten mit ihrem schon lange verstorbenen Mann und lachte dann.
“ A Hund allan bellt net lang! “
Aha. Ja?
Mir sagte dieser Satz gar nichts,  aber er gefiel mir irgendwie. So fragte ich nach.“ Schauen Sie, das ist so:  Wenn ich immer zurückrede, mich verteidige, dann gibt ein Wort das andere und wir haben einen handfesten Streit.  Muss ich immer was dazu sagen?
So war ich oft einfach still.., und bald wars gut. Wissens, a Hund allan, der bellt net lang!“

So bleibe auch ich inzwischen öfter still und siehe da, es bleibt friedlich…..

Von der Sehnsucht nach dem Leben

Eine junge Frau verbrachte einige Jahre im Ausland, sie folgte ihrem Drang nach Freiheit, Unabhängigkeit und der leisen Sehnsucht Neues zu erleben. Ein paar „Fluchtgedanken“ spielten ebenso mit, wie alles Alte hinter sich zu lassen und das Leben neu zu formen. Irgendwann aber, zuerst zögerlich dann stetig, keimten Fragen in ihr auf.

Fragen nach der Zukunft, nach dem Sinn des Lebens, nach ihrer Bestimmung. Und wieder mischte sich Sehnsucht dazu, nach Heimat, nach Familie und nach Entwicklung. Sie brach ihre Zelte ab und ging zurück an den Ort ihrer Herkunft. Motiviert für alles was das Leben bietet, beschützt von Vertrautheit und gestärkt durch Zuversicht. Weiterlesen

Schenk mir ein hörendes Herz

Eine biblische Geschichte im Alten Testament erzählt vom noch jungen König Salomon. Gott erscheint ihm im Traum und gewährt ihm eine Bitte.

Salomon ist noch ganz beeindruckt und voller Respekt vor seiner neuen Verantwortung und seiner Sorge, dieser Aufgabe gerecht zu werden und deshalb bittet er nicht um Reichtum und Macht, sondern sagt: Gott, schenke mir ein hörendes Herz, damit ich dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden verstehe.

Kultur des Zuhörens Weiterlesen