Archiv für den Monat: Juni 2017

Schadenfreude und Psychohygiene

Sie ist in vielen Kulturen und Religionen geächtet, kommt aber überall vor. Manchmal sind Spiele darauf aufgebaut, wie z.B. das Kartenspiel „Schwarzer Kater“, oder „Mensch ärgere Dich nicht“, auch die moralinsaure Geschichte von Max und Moritz, oder unsere Aprilscherze leben von der Schadenfreude.
Trotz der Ächtung scheint sie aber auch eine heilsame, bzw. reinigende Wirkung zu haben. Es tröstet, wenn man sieht, dass Missgeschicke auch anderen passieren können, es befreit, wenn die Überheblichkeit einmal einen Dämpfer bekommt und es tut gut, wenn jene, welche mit ausgefahrenen Ellbogen durchs Leben gehen, auch einmal den Kürzeren ziehen.

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Zuhören – was ist dabei wichtig?

Mitten in der Nacht – ein Anruf bei der Telefonseelsorge. Ein offensichtlich alter Mann sagt, dass seine Frau vor zwei Tagen gestorben ist.

Das tut mir leid. Wie geht es Ihnen? Eigentlich möchte ich auch nicht mehr weiterleben. Das Leben hat ja nun gar keinen Sinn mehr für mich. Ich frage ihn nach seiner Frau. Was war sie für ein Mensch? Und dann erzählt er mit ruhiger Stimme, beinahe eine halbe Stunde lang, von ihrem gemeinsamen Leben, von amüsanten Erlebnissen, davon, wie schön sie war, was er alles an ihr geschätzt hat. Es ist wie ein Nachruf voller Liebe, ein Nachklang, wie er nicht würdigender und wertschätzender sein könnte.

Sich selbst zuhören

In so einem Gespräch gibt es keine Lösung, aber eine zutiefst geteilte Lebensgeschichte, die eine Beziehung zwischen dem Erzählenden und der Zuhörenden schafft. Zuhören heißt sich bescheiden, Zeit schenken, ganz präsent sein, wahrhaftig sein. Zuhören heißt, einfach auch einmal still zu sein. Weiterlesen

Bin ich Schuld an der Krankheit meines Kindes?

Eltern von psychisch kranken Kindern stellen sich oft die Frage: Wieviel Schuld habe ich daran?

Dass es in einer Familie eine gewisse Dynamik gibt auf die jedes Familienmitglied Einfluss hat, ist mittlerweile bekannt und auch nachvollziehbar. Systemische Familientherapeuten konzentrieren sich sehr darauf und geben oft das Gefühl dass es allein an diesem System liegt, das diese Krankheit verursacht und festhält.

Mit meinem Baby im Arm war ich so glücklich, dass gerade ich auserwählt wurde, Mutter dieser kleinen Tochter zu werden. Alles wollte ich hundertprozentig richtig machen. Schließlich hatte ich in Kinderpsychologie maturiert, verschlang die neuesten Baby- und Erziehungsratgeber. Sie schrie mehr als andere Babys und bald schon waren Zwänge erkennbar. Verschiedenste Therapieformen, die ganze Familie wurde einbezogen, konnten sie nicht heilen. Es veränderten sich die Symptome, aus Ängsten, Zwängen und Phobien wurde schließlich eine chronische Essstörung, die nach zwanzig Jahren Krankheit den Körper so sehr schwächte, dass meine Tochter daran starb. Weiterlesen