Zuhören – was ist dabei wichtig?

Mitten in der Nacht – ein Anruf bei der Telefonseelsorge. Ein offensichtlich alter Mann sagt, dass seine Frau vor zwei Tagen gestorben ist.

Das tut mir leid. Wie geht es Ihnen? Eigentlich möchte ich auch nicht mehr weiterleben. Das Leben hat ja nun gar keinen Sinn mehr für mich. Ich frage ihn nach seiner Frau. Was war sie für ein Mensch? Und dann erzählt er mit ruhiger Stimme, beinahe eine halbe Stunde lang, von ihrem gemeinsamen Leben, von amüsanten Erlebnissen, davon, wie schön sie war, was er alles an ihr geschätzt hat. Es ist wie ein Nachruf voller Liebe, ein Nachklang, wie er nicht würdigender und wertschätzender sein könnte.

Sich selbst zuhören

In so einem Gespräch gibt es keine Lösung, aber eine zutiefst geteilte Lebensgeschichte, die eine Beziehung zwischen dem Erzählenden und der Zuhörenden schafft. Zuhören heißt sich bescheiden, Zeit schenken, ganz präsent sein, wahrhaftig sein. Zuhören heißt, einfach auch einmal still zu sein.

Wenn ich einem anderen Menschen zuhöre, kommen mir automatisch viele eigene Bilder, Ideen und Lösungsmöglichkeiten in den Sinn, Dinge, die mir persönlich schon einmal geholfen haben. Die Kunst besteht darin, diese eigenen Bilder ein Stück weit auf die Seite zu stellen und sich wirklich ganz dem anderen Menschen zuzuwenden, sich für seine Gedanken, seine Gefühle, seine Ängste, Sorgen und Sehnsüchte zu interessieren. Manchmal denkt man, man wüsste doch gut, was dem anderen helfen könnte und er bräuchte doch nur dies und das zu tun und dann wäre es wieder gut. Die Kunst des Zuhörens besteht vor allem auch im Respekt vor dem, wie ein anderer Mensch sein Leben gestalten möchte.

Zuhören kann ich aber auch mir selber gegenüber. Wie bei jedem Zuhören brauche ich dafür Zeit und Ruhe. Dann kann ich meinen Gedanken nachgehen. Ich kann einen inneren Monolog führen, Tagebuch schreiben oder einfach nur still sein und mich auch einfach einmal darüber freuen, dass es mich gibt.