Die Grenzen des Zuhörens

Sie kann´s nicht mehr hören. In einer Kampagne der Wiener Linien für mehr Rücksichtnahme, wird dafür geworben, das laute Telefonieren in den öffentlichen Verkehrsmitteln sein zu lassen.

Tatsächlich kann es sehr nervend sein, wenn man in der U-Bahn oder im Zug etwas lesen möchte und nicht umhin kann, gleichzeitig der raumfüllenden Kommunikation eines Fremden zuhören zu müssen. Ich kann´s nicht mehr hören – ist ein Satz, der wohl auch in vielen persönlichen und beruflichen Kontakten gedacht oder gesagt wird.

 Die Stopp-Taste drücken

Zuhören hat seine Grenzen. Bei unserer Arbeit in der Telefonseelsorge haben wir viel Toleranz und Verständnis. Aber es geht nicht, dass mich jemand beschimpft. Ich brauche, so sage ich dem Anrufer, ich brauche, wenn wir miteinander reden wollen, von ihnen ein Minimum an Respekt. Zuhören ist grundsätzlich auch schwierig, wenn jemand grenzenlos in seinen Ansprüchen ist, wenn sie oder er kein Ende findet und noch und noch etwas erzählen will. Schwer ist es auch, wenn jemand ganz andere Werte vertritt.

Manchmal bleibt nichts anderes übrig, als deutlich zu sagen: Da denken wir verschieden. Und manchmal ist es besser, einem Menschen aus dem Weg zu gehen. Bei einem Freund oder in der Familie ist es aber auf jeden Fall lohnend, das Störende anzusprechen und nicht nur zu erdulden. Dazu ist es gut, um ein kurzes Innehalten zu bitten. Innerlich die Stopp-Taste zu drücken und zu sagen: Entschuldige, ich möchte kurz etwas sagen. Ich hab dich gern und ich möchte dir auch gerne zuhören. Aber wenn du mich gar nicht zu Wort kommen lässt, wenn du mich gar nicht wahr nimmst oder wenn du so unglaublich angibst, dann geht das nicht. Du bist mir aber wichtig und deshalb möchte ich dich fragen, ob wir auch anders miteinander reden können. Dann kann sich der Satz am Anfang vielleicht verändern: Ja, ich kann dich gut leiden und ich mag es, dir zuzuhören.