Gemeinsam im Hamsterrad …

„Derzeit geht es mir mit unserer Beziehung nicht gut. Es fühlt sich an, wie wenn wir auf zwei gleich verlaufenden, aber voneinander getrennten Wegen unterwegs sind. Die Richtung ist dieselbe, irgendwann treffen wir uns vielleicht auch wieder auf einem Weg und gehen miteinander weiter, aber derzeit gibt es wenig Gemeinsames.“

Die Betroffenheit der Anruferin ist spürbar.

Auf welchen Wegen sie und ihr Mann denn gerade unterwegs seien, frage ich.

Sie seufzt tief. Beide sind vollzeitbeschäftigt, beide haben gerade viel Stress im Job und dann ist da noch die Baustelle. Sie bauen gerade Haus, machen vieles selbst und wollen Ende des Jahres einziehen.

Ihre Gespräche drehen sich nur mehr um die To-dos auf der Baustelle und den Stress im Job. „Eh, klar“, meint sie abschließend, „wahrscheinlich geht es auch nicht anders und ist bei allen so. Das wird schon wieder.“

Ich lasse mich auf diese Relativierung nicht ein und erinnere sie an den Anlass des Anrufes – ihre Betroffenheit über den Zustand der Beziehung. Was würde denn jetzt gut tun?

Das Tempo reduzieren, den Weg verlassen und einen Schritt zur Seite machen. Eine Pause zu zweit, eine Rast am Wegrand, ein Picknick. Vielleicht einfach auch mal in die Wiese legen, Händchen halten und gemeinsam den Himmel betrachten …

Die Anruferin sprudelt vor Ideen und klingt dabei fröhlicher als zuvor. Dann unterbricht sie sich plötzlich selbst und meint: „Aber zur Zeit geht das einfach nicht.“

„Warum?“

„Ja, die Baustelle, der Job, der Haushalt, irgendwer muss ja schließlich Wäsche waschen auch noch …“ Die Anruferin wird immer schneller, ihr Stress noch mehr spürbar. „Außerdem haben wir doch schon allen erzählt, dass wir spätestens im November einziehen.“

Wie streng sie mit sich ist! Selbst das harmlose Ideensprudeln am Telefon wird sofort gestoppt, von der Realität und den eigenen Ansprüchen torpediert. Das Hamsterrad dreht sich schneller und schneller, wirkt unaufhaltbar, selbst die dadurch schon entstandene Einsamkeit in der Paarbeziehung kann es nicht stoppen.

Ich erkenne mich wieder. Wie oft wäre mir nach Seelenbaumeln, Tagträumen, ein paar Minuten Müßiggang, einem Kaffee im Lieblingslokal oder gar einem kleinen Nickerchen …

Und wie ist es mit Ihnen? Wonach steht Ihnen der Sinn?

Haben Sie heute schon Ihr Hamsterrad angehalten und eine Pause eingelegt?