Homosexuelle Freunde

Ich habe eine lesbische Freundin und mein Sohn hat einen schwulen Freund. Aber nicht in dem Sinne, dass sie eine Partnerwahl darstellen, sondern in dem Sinne, dass sie Ausdruck einer Freundschaftswahl sind. Sie sind Menschen, mit denen wir gern zusammenkommen und gemeinsam eine gute, meist Freizeit verbringen.

Ich persönlich war immer froh, dass ich nicht homosexuell bin. Ich finde, man und frau kann sich die eigene sexuelle Orientierung nicht aussuchen und dass mir eine heterosexuelle Orientierung zugedacht worden war, empfand ich immer als erleichternd, weil weniger kompliziert und herausfordernd für das Leben in unserer Gesellschaft.

Herausfordernd für mich persönlich war aber jetzt kürzlich, als mir meine Freundin über ihre Beziehungsprobleme mit ihrer Partnerin erzählte. Eigentlich wollte ich darüber gar nichts hören, weil ich mich da ja nicht „auskenne“. Aber wofür sind Freundinnen da wenn nicht zum Dasein in schwierigen Zeiten? Und irgendwie war ich dann überrascht und wurde von meinen eigenen vorgefassten Meinungen quasi überholt, als ich spürte, wie nahe mir diese Beziehungsprobleme gingen! Weil sie denen so ähnlich waren, die ich aus eigener Erfahrung her kannte! Da war irgendwie kein Unterschied!

Das war eine sehr lehrreiche Erfahrung für mich. Ich bin dankbar, dass ich sie machen durfte. Abgesehen davon, dass sie auch unserer freundschaftlichen Beziehung guttat.

Vor anderen Herausforderungen in der Freundschaft stehen mein Sohn und sein Freund. Der schwule Freund zieht jetzt nämlich in eine große Stadt um, in eine Großstadt. Dort kann er sein Leben als Schwuler besser leben als in unserer Kleinstadt. Hoffentlich findet er dort auch gute Freunde und hoffentlich kann er auch die freundschaftliche Beziehung zu meinem Sohn, trotz der Distanz, weiterhin aufrecht erhalten!