Wertvolle 10 Minuten

Es ist kurz nach 5 Uhr früh. Der Nachtdienst war intensiv. Ich habe den Eindruck, ich konnte gut den Menschen beistehen. Es waren viele Gespräche. Jetzt fühle ich mich etwas müde. Da läutet das Telefon.

Ich hebe automatisch ab, melde mich. Es ist eine Anruferin und ich frage sie, wie es ihr geht. Sie erzählt mir, sie hätte kaum geschlafen, müsste in Kürze zur Arbeit und fühle gerade eine Panikattacke in sich aufsteigen. Das einzige, was jetzt Abhilfe schaffen könnte, sei Ablenkung durch ein Telefonat.

Meine innere Bereitschaft, mich auf noch ein Gespräch einzulassen, steigt und ich frage sie, was für diesen Tag alles geplant hat, mit welcher Lektüre sie sich über die schlaflose Nacht gerettet hat und was die Woche noch so für sie bereithält. Das Klima wird für beide angenehm und als ich das nächste Mal auf die Uhr sehe, sind 10 min vergangen und zwar wie im Flug. Ich bin jetzt wieder so richtig in Schwung, aber auch die Anruferin sieht auf die Uhr und bemerkt, dass sie sich fertig machen muss für den Tag.

Sie bedankt sich, alle Dämonen und Symptome seien durchs Reden verschwunden, sie verabschiedet sich. Wir legen beide auf und ich denke mir wieder mal „10 Minuten einen Menschen begleiten bringt das Leben ins fließen – das der Anruferin und auch meines“.