Alte Angehörige

„Bei meinen Eltern unterscheide ich sehr genau, wer für mich früher da war und wer nicht! Und das entscheidet, für wen ich da bin!“

„Mein Schwiegervater hat mich immer abgelehnt. Du gehörst nicht zu uns, hat er gesagt! Jetzt, wo er krank und bedürftig ist, ist er auch nicht mein Schwiegervater!“

Diese zwei Aussagen von zwei unterschiedlichen Menschen habe ich an einem Tag gehört und sie haben mich nachdenklich gemacht.

Haben sie Recht?

Um welche Angehörigen kümmern wir uns, wenn sie alt und hilfsbedürftig werden. Nur um diejenigen, von denen wir Gutes erfahren haben? Unter dem Motto: wie du mir, so ich dir?

Oder ist es unsere moralische Pflicht, auch die unsympathischen und schwierigen Verwandten nicht aus dem Blickfeld zu verlieren?

Ich glaube schon, dass das für viele ein Dilemma ist und viele schwierige Fragen aufwirft, die nicht immer einfachen Antworten haben.

Folgendes ist mir dann auch wieder in Erinnerung gekommen.

Meine Nachbarin hatte ein eher schwieriges Verhältnis zu ihrer Schwiegermutter. Es wurde nie offen gestritten, aber man hatte sich eigentlich nicht viel zu sagen. Es hing immer ein bisschen der Vorwurf in der Luft, meine Freundin wäre nicht gut genug für den Sohn gewesen. Das Erstaunliche war dann, dass meine Nachbarin, als die Schwiegermutter schließlich alt und pflegebedürftig wurde und ins Heim kam, dann diejenige war, die die alte Frau am öftesten bis zu ihrem Tod besuchte. In dieser Zeit der Krankheit, Bedürftigkeit und Schwachheit fand sie Zugang zu ihrer Schwiegermutter und konnte ihr auf eine Art begegnen, die vorher nicht möglich war.

Das hat mich auch nachdenklich gemacht.