Tränen dürfen sein

In manchen Gesprächen oder Chats möchte ich mein Gegenüber an die Hand nehmen und auf einen anderen Weg führen: Weg vom Klagen über verständnislose Angehörige. Weg vom „ist es nicht schrecklich“. Ich versuche geradezu verzweifelt, doch etwas Gutes in der Welt zu finden.

Aber ich spüre ich baue nur eine Mauer, verstehe den Suchenden nicht wirklich.

Ich frage mich WARUM?

Kürzlich habe ich es deutlich gespürt: Eine große Traurigkeit droht mich zu überschwemmen, wenn ich ganz mitfühle, was den anderen bewegt. Ich bin ja selbst über Vieles verzweifelt, was in der Welt vorgeht. Ich fühle mich hilflos und sorge mich um die Zukunft meiner Kinder und Enkel. Es scheint alles zu wenig, was ich tun kann.

Es ist also die eigene Angst, die dazu führt, dass ich rate anstatt zuzuhören.

Ich darf sie mir eingestehen und kann sie nach hinten nehmen und mich auf ein DU einlassen.

Und dann passiert es vielleicht, dass mein Gegenüber selbst vorsichtig ein bisschen weiter schauen mag und durch eine kleinen Spalt Licht ins Dunkel fällt.

Aber auch wenn wir im Dunklen sitzen bleiben, die Angst wird kleiner, wenn man sie haben darf und wenn man damit nicht allein ist. Manchmal löst sich dann bei meinen Mitmenschen ein Knoten und er weint.

Tränen dürfen sein.

Sie können befreien.