Archiv für den Monat: Oktober 2018

Gefesselt vorm Computer

Eine Mutter erzählte mir von ihrem 14järigen Sohn:

„Er sitzt die ganze Zeit vor dem Computer und spielt. Sein gesamtes Denken und Verhalten ist darauf hin ausgerichtet. Er hat nur mehr wenig Freizeitaktivitäten, vielleicht schwänzt er auch die Schule. Er belügt mich manchmal, was seine tatsächliche Zeit vor dem PC betrifft. Wenn ich ihm den Computer wegnehme, wird er gereizt und manchmal ganz aggressiv. Als ob er Entzugserscheinungen hätte. Dazu kommt, dass ich alleine mit dem Problem bin. Seit mein Mann und ich uns getrennt haben, bin ich allein dafür zuständig. Irgendwie mach ich mir Sorgen, dass er süchtig ist.“

Puh, hab ich mir bei dem Gespräch gedacht, was für eine schwierige Situation. Weiterlesen

Vermissen und lieben

Wenn ein geliebter Mensch plötzlich verstirbt, bleibt im ersten Moment die eigene Zeit stehen. Es ist, als ob die Welt rundherum sich weiterdreht, aber ohne dass man selbst noch daran teilnimmt. Der Schock fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Das Realisieren geschieht nur langsam.

Es folgen tiefe Traurigkeit, Verzweiflung und auch immer wieder Unfassbarkeit. Wut und Fragen wie „Was wäre gewesen, wenn…?“ mischen sich hinzu. Es braucht Zeit. Zeit, um sich zu fassen und sich zu verabschieden. Und selbst mit der Zeit wird es nicht ganz gut. Wenn jemand stirbt, dann wird das nicht mehr gut. Es wird anders.

Das Wort „vermissen“ bekommt eine neue Bedeutung. Manchmal tut es unheimlich weh. Doch manchmal schleicht sich ein anderes Gefühl dazu. Es ist die Liebe. Das tiefere Wesen des Vermissens. Je mehr ein Mensch geliebt wurde, desto mehr vermisst man diesen Menschen nach seinem Tod. Es hilft, sich diese Liebe wieder in Erinnerung zu rufen, um das Vermissen auszuhalten. Es hilft auch, um schöne Erinnerungen hervorzuholen. Die Liebe macht den Tod nicht ungeschehen. Aber die Liebe kann den Tod überdauern. Und das darf sein. Das Gefühl des Vermissens erinnert uns an diese Liebe.

 

Von Einer die auszog das Annehmen zu lernen

… dann geh ich mal …..

…von Einer die auszog das Annehmen zu lernen ….

Die Sommerzeit lädt ein, sich einmal für mehrere Tage auf den Weg zu machen, eine längere Wanderung zu planen, abzuschalten, allein zu sein, Neuem zu begegnen, Sich zu begegnen. Und dann, am ersten Tag passiert mir durch Unachtsamkeit und „hudeln“ ein böser Sturz, der eine tiefe Wunde aufreißt. Panik, Hilflosigkeit, Schock. Niemand in Rufweite, niemand der sagt, was zu tun wäre. „Alles wird gut, ganz ruhig, atme tief durch“ die eigenen Worte klingen wie Mantras. Die Natur bietet massenhaft Kräuter, gleich hier in der Wiese, die Erstversorgung gelingt mir recht gut. Und dann? Abbruch oder Neustart? Trotz Schmerzen, trotz Unsicherheit was da kommen mag wird es ein Neustart. Das Bauchgefühl sagt mir: „Du schaffst das, probiere es wenigstens“. Ein Schritt nach dem anderen, nicht die ganze Etappe vor den Augen, sondern spüren, wenn es Zeit ist zu rasten. Wissend, es braucht auch professionelle Hilfe und diese auch anzunehmen. Mit jedem Schritt mit jedem Tag heilt meine Wunde ein wenig, aber sie braucht Zuwendung, braucht jemanden der sich auskennt was zu tun ist, braucht Beachtung. Die Wunde ist nach außen gut sichtbar, unbekannte Menschen bieten mir Hilfe an, einfach so. Annehmen ist auch eine Kunst, aber sie dient schlussendlich der Heilung auf wundersame Weise. Die Narbe wird mich daran erinnern, dass es in schwierigen Situationen und Zeiten immer mehrere Varianten gibt diese zu bewältigen und es sich lohnt, sich auch einmal auf etwas Neues einzulassen.

 

Gedanke und Worte wirken

Von einem Gespräch mit einer Anruferin habe ich noch eine Aussage im Ohr: „Wenn ich ehrlich bin merke ich einen großen Unterschied wie ich mit mir selbst in Gedanken rede und wie ich mit meinen Kindern rede. Mit mir selbst bin ich streng und verurteilend. Die Kinder lobe ich und versuche ich positiv zu unterstützen…“

Besonders im Alltag mit seinen vielfältigen Anforderungen sind wir gefordert. Wir sind gewohnt zu funktionieren und darauf zu achten, dass alles gut läuft. Und anstatt uns selbst dafür wertzuschätzen, sehen wir vor allem das, was misslingt und „schimpfen“ uns dafür. Dabei würden auch uns anerkennende, aufmunternde Worte gut tun. Weiterlesen