Was ich vermisse

Menschen, die sich an die Telefonseelsorge wenden, erzählen nicht selten davon, was sie vermissen.

Eine Anruferin ruft an und weint. Ihre Katze ist am Tag zuvor gestorben. Sie lebt alleine, hat auch kaum Kontakte. Die Katze war immer um sie herum. Sie im Arm zu halten und das Fell zu streicheln, gab ihr ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit, mit ihr fühlte sie sich viel weniger allein. Am Telefon höre ich ihr zu, trauere mit ihr. Sie sagt, es tut ihr gut, wenigstens mit jemandem sprechen zu können.

Ein Anrufer ist seit einigen Monaten arbeitslos. Es geht ihm nicht gut. Er vermisst die Kollegen, mit denen es auch manchmal einen guten Schmäh gab. Für ihn ist es schwierig, dass er in der Früh nicht weiß, wohin er gehen soll. Er hat noch keinen neuen Job, bewirbt sich zwar, aber hat noch nichts gefunden. Ich kann ihn gut verstehen und sage ihm das auch. Wenn man eine gute Arbeit hat, dann weiß man, wo man hingehört, da kann man etwas bewirken, etwas tun, fühlt sich gebraucht und bekommt am Monatsende seinen Lohn. Im Gespräch gewinnt er ein bisschen neuen Mut. Ich wünsche ihm, dass er bald eine neue Arbeit findet.

Eine Anruferin leidet schon längere Zeit an Depressionen. Sie hat in der Früh kaum die Kraft aufzustehen. Sie schleppt sich durch den Tag und hofft, dass die Medikamente irgendwann eine Wirkung zeigen. Sie vermisst die Leichtigkeit, mit der sie früher ihren Alltag gemeistert hat und wünscht sich, dass sie wieder gesund wird. Bei der Telefonseelsorge anzurufen, ist einfacher, als aus dem Haus zu gehen. Gut, dass ich mit jemandem reden konnte. Danke, dass Sie mir zugehört haben.