Getragen sein

Müde bin ich manchmal, sooo müde.

Alles scheint mir zu schwer, hinsetzen, hinlegen, ausruhen.
Manchmal ist keine Zeit dafür, der Alltag geht weiter und ich trage Verantwortung für andere – die Kinder wollen etwas essen, meine Mutter muss zum Arzt gebracht werden, abends sind mein Mann und ich zu einem Fest eingeladen.

Und ich bin sooo müde.

Dann nehme ich mir doch 5 Minuten Zeit, um in den Garten zu gehen.
Die frische kühle Luft tief einatmen und durch meinen Körper fließen lassen, das tut gut.
Auf einmal sehe ich zwischen grünen Buchenblättern ein braunes Blatt. Ehe ich einen Gedanken fassen kann, finden Tränen ihren Weg aus mir heraus: das braune Blatt hat mich berührt. Es ist vom Baum gefallen. Es wird aufgefangen und getragen von anderen Blättern.
Aufgefangen, gehalten und getragen sein, das wünsche ich mir.

Was trägt mich, was hält mich, wer oder was fängt mich auf wenn ich falle?

Plötzlich muss ich lächeln. Genau das, was mir heute Morgen als Last erschienen ist, ist jetzt das was mich zu tragen scheint: es ist schön, wenn die Kinder nach Hause kommen und (manchmal) sagen: „Das schmeckt heute gut“; der besondere Blick meiner Mutter wenn ich etwas für sie getan habe – Danke sagen fällt ihr schwer; und dass mein Mann und ich immer wieder einen Weg zueinander finden und miteinander reden können.

Jetzt ist meine Müdigkeit verschwunden und ich denke: egal wie der Tag dann wirklich verlaufen wird, jetzt bin ich gestärkt dafür!

Foto: Maria Pöplitsch