Archiv für den Tag: 28. Januar 2019

Masken

In Gesprächen mit Freunden erzählt man sich oft Geschichten aus der Kindheit, sie wird dann ganz lebendig und manche Augen beginnen sogar zu leuchten. Aus der Entfernung betrachtet schaut es sowieso abenteuerlicher und spannender aus als es tatsächlich war. So auch die Geschichten vom Fasching, vom Verkleiden, vom ausgelassen sein. Die eigenen Partys waren sowieso der Kracher und die allerbesten. Und das Verkleiden? Ja, für ein paar Stunden eine andere Identität anzunehmen, eine Maske überzuziehen, unerkannt zu sein und irgendwie das Gefühl zu haben, „ich kann tun und lassen was ich will“, war einfach herrlich und abenteuerlich. Masken ermöglichen einem für kurze Zeit aus dem normalen Leben auszusteigen und jemand anders zu sein, und haben weltweit seit Jahrhunderten ihre kulturelle Tradition und Bedeutung. Haben Sie gerade auch eine schöne Erinnerung? Warum gelingt dieses Gefühl der Freiheit und Freude am Leben oft nur in Zusammenhang mit einer „Maske“? Was hindert mich daran, öfters mal auch ohne Maske diesem Gefühl nachzugehen und ausgelassen zu sein? Und wenn Sie mal den Impuls haben etwas „Närrisches“ zu tun, geben Sie ihm ruhig nach und machen Sie sich das Leben ein wenig bunter.

Mutquelle für einen Umgang mit Angst und Panik

In der Telefonseelsorge vergeht kein Tag, an dem nicht mindestens ein Mensch bei uns angerufen hat, weil er unter Ängsten oder Panikzuständen leidet. Beängstigendes, rasendes Herzklopfen, Schweißausbrüche, Übelkeit, das Gefühl ohnmächtig zu werden, Zittern oder Atemnot, das sind einige der Symptome, die durch die ausgeschütteten Stresshormone im Köper erzeugt werden und aus den Betroffenen ein zitterndes Häufchen Elend machen.

Angst ist grundsätzlich sehr wichtig, damit wir in gefährlichen Situationen gut reagieren können, vielleicht sogar über uns hinauswachsen können. Aber es gibt auch die unbegründete Angst, die zu einer Lebensverhinderung führen kann und deren Ursprünge oft erst in einer Psychotherapie entdeckt und aufgelöst werden können. Dies bedeutet aber auch eine längere psychotherapeutische Arbeit und davor braucht es die Erkenntnis, dass die Ängste ihren Ursprung in der Psyche haben.

Keine körperliche Erkrankung bewirkt diese heftigen körperlichen Reaktionen – das sollte übrigens immer ärztlich abgeklärt werden –  sondern das vegetative Nervensystem, das nicht direkt gesteuert werden kann, reagiert auf Gefahrenreize, die aus der eigenen Innenwelt kommen.  Sich einzugestehen, dass die Psyche solche Zustände erzeugen kann, fällt oft deshalb so schwer, weil viele Vorurteile damit verbunden sind.  „Ich bilde mir das nicht ein…. „ich bin doch nicht verrückt“ …. Sind nur einige der Aussagen, die wir am Telefon hören.  Diese AnruferInnen wissen meist noch immer wenig über die Macht der Gedanken und inneren Bilder und schrecken vor allem davor zurück, dass das irgendwie mit „Psyche“ zu tun haben könnte.  Irgendwie geistert offensichtlich noch immer das alte Stigma vom „Irresein“ in unseren Köpfen.

Ein gutes Beispiel dafür, dass Körper, Seele und Geist eine Einheit sind und miteinander verbunden sind ist das mit der Zitrone: Stell dir vor, du schneidest eine saftige Zitrone auf, siehst dir die Schnittfläche genau an und stellst dir vor, wie du ihren sauren Saft auf deine Zunge träufelst oder sogar in diese Zitrone beißt… –

Was passiert mit dir, wenn das gelingt? Wahrscheinlich wirst du spüren, wie dir das Wasser im Mund zusammenläuft und vielleicht wirst du sogar ein wenig das Saure spüren und es gibt Menschen, die allein bei der Vorstellung davon ihr Gesicht verziehen oder sich schütteln. Voraussetzung dafür ist, dass du in deinem Leben bereits Erfahrungen mit Zitronen gemacht hast. Ist das nicht eine erstaunliche körperliche Wirkung von einigen Worten und inneren Bildern?

Dieses Beispiel hilft manchmal und macht Mut doch in Erwägung zu ziehen, dass die Psyche, das eigene Innenleben, unsere Seele vielleicht einer besonderen Zuwendung und Aufmerksamkeit bedarf.  

In Angst und Panikzuständen gibt es einige Möglichkeiten unser emotionales Zentrum, dass im Zwischenhirn verortet ist, zu beeinflussen. Wir von der Telefonseelsorge haben es uns zur Aufgabe gemacht, dich dabei zu unterstützen, dass du gut für deine Seele sorgen kannst. Rund um die Uhr ist unter 142 jemand für dich da, der mit dir nach einem Weg zu mehr Mut und Zuversicht sucht. Manchmal ist es das vertrauliche Gespräch in der Telefonseelsorge, das den gewünschten Erfolg bringt

Zum Schluss noch ein Literaturtipp zu diesem Thema.  Das bunt illustrierte leicht lesbare Büchlein „Nur Mut! Das kleine Überlebensbuch“ von C. Croos-Müller enthält einfache Übungen die eine Soforthilfe bei Herzklopfen, Angst Panik versprechen.

Masken – eine Form der Realität

Menschen tragen Masken traditionell in der Faschingszeit, besonders bekannt und geschätzt natürlich die Masken aus Venedig – Karneval. Auch mich haben diese Masken in Venedig als Kind fasziniert und gleichzeitig doch abgeschreckt. Sie waren schön, mit Gold und Federn geschmückt, die Menschen, die sie trugen hatten eine stolze Körpersprache und schritten durch die Stadt. Aber eigentlich konnte ich die Menschen, die mit ihren Masken herumgingen, nicht sehen und das verunsicherte mich. Ich konnte die Masken nicht deuten, nicht verstehen und spürte die Realität nicht mehr. Und doch waren die „Maskenmenschen“ in diesem Moment real.

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Diese Erfahrung machen wir doch ab und an auch im Alltag. Wir stehen jemand gegenüber und können sehen, dass alles „schön“ ist und spüren trotzdem Verunsicherung, weil wir nicht wissen, was unser Gegenüber uns gerade signalisiert. Und manchmal sind wir selbst die „Maskenmenschen“. Masken dienen nicht nur dazu etwas zu verbergen, manchmal sind sie real, weil wir in diesem Moment nicht unser wahres Gesicht zeigen wollen. Weil wir uns vielleicht nicht zumuten wollen, weil wir uns selbst noch nicht sicher sind, was wir von uns preisgeben wollen. Masken zu tragen gehört also zur Realität jedes Menschen, wichtig ist es zu erkennen, wann man die Maske absetzen kann.