Archiv für den Monat: Februar 2019

Mobbing – Was kann ich tun?

Ein Mobbing-Tagebuch …

Eine Möglichkeit für Menschen, die von Mobbing betroffen sind, ist es ein Tagebuch über die erlebten Vorfälle zu führen. Das macht zwar Arbeit und braucht auch Disziplin, denn du solltest möglichst regelmäßig und detailliert alles aufzuzeichnen, was dir in diesem Zusammenhang widerfahren ist. Das hilft dir nämlich bei der Sicherung von Beweisen, dient deiner Auseinandersetzung und Aufarbeitung der eigenen Situation und kann im Fall einer Anzeige oder für gerichtliche Beweisführung sehr hilfreich sein.

Was wird empfohlen?

Nimm entweder einen Buchkalender mit viel Platz für jeden Tag oder führe ein elektronisches Tagebuch und halte folgendes jeden Tag fest:

Datum und Uhrzeit, weil man sich sonst schon nach einigen Tagen nicht mehr genau erinnert  

Was ist passiert? Schreib den Vorfall möglichst detailliert auf, wer hat was gemacht und wer hat das eventuell noch mitbekommen?

Was hast du empfunden? Beschreib deine körperlichen oder seelischen Reaktionen und wie lange sie angehalten haben.

Welche Folgen hatte das für mich? bist zu z. B. zum Arzt gegangen, krank geworden, musstest freinehmen…

Wen habe ich informiert? Freunde, Familie, ArbeitskollegInnen, Bekannte

Wenn nichts passiert ist, dann bist du den Mobbern vielleicht nicht begegnet oder sie waren nicht da, bitte zeichne auch das auf.

Vergiss auch nicht festzuhalten, wenn dich jemand zu Hause oder in deiner Freizeit unter Druck setzt, weil er dich vielleicht anruft oder dich in den sozialen Medien angreift.

Deine Aufzeichnungen können dir auch dabei helfen, wenn du Hilfe in Anspruch nimmst. So kannst du unter anderem in der Telefonseelsorge nicht nur unter 142 telefonisch Unterstützung bekommen. Seit einigen Jahren gibt es die Onlineberatung mittels Email oder in einem Chat unter www.onlineberatung-telefonseelsorge.at  wo du dich vertrauensvoll hinwenden kannst.

Ich schäme mich zu Tode

Alina ist seit langem mit Max verheiratet. Sie sind beide berufstätig und verstehen sich sehr gut.

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Zum Zeitvertreib surft Alina gerne im Internet und kommt auf eine Kontakt-Plattform, auf der sie einen Mann kennenlernt. Sie schreiben sich regelmäßig. Sie mag es, wie er sich für sie interessiert, wie er ihr Komplimente macht. Sie hat das Gefühl, dass sie einander sehr gut verstehen und sie ihm Dinge anvertrauen kann, die sie Max nicht sagen will. Ja, sie hat das Gefühl, dass er sie liebt. Sie schreiben sich auch ihre erotischen Gedanken und Wünsche. Der Mann bittet Alina im Zuge dessen ihm doch ein Nackt-Foto von ihr zu schicken, was sie auch gerne tut. Für Alina ist das Ganze ein heimliches, prickelndes, aber unschuldiges Abenteuer, nichts, was mit ihrem realen Leben und Alltag zu tun hat. Sie hat überhaupt nicht vor, ihr Leben zu verändern und Max zu verlassen.

Doch dann ändert sich plötzlich alles: Der Online-Mann schreibt ihr, dass sie ihm 5000.-€ auf sein Konto überweisen soll, sonst wird er das Nacktfoto und den Verlauf ihrer Kommunikation an Max und an Alinas Eltern schicken.

Alina ist fassungslos. Sie ruft bei der Telefonseelsorge an, will einfach mit jemandem sprechen. Sie schämt sich so, dass sie nicht weiß, wem sie sich anvertrauen kann. Sie ist froh, anonym bleiben zu können. Alina ist grenzenlos verletzt darüber, dass dieser Internet-Typ so ein „Miststück“ ist, dass er ihr etwas vorgegaukelt hat und sie darauf reingefallen ist. Sie schämt sich so und hat Angst um ihre Beziehung zu Max.

Im Gespräch kommt sie zum Schluss, dass es gut ist, von sich aus mit Max zu sprechen. Von der Telefonseelsorge erhält sie die Adresse von Safer-Internet, www.saferinternet.at, wo sie sich Unterstützung holen kann. Dem Mann kann sie mitteilen, dass sie ihn anzeigen wird, falls er das Foto veröffentlicht.

Mobbing am Arbeitsplatz

Mobbing am Arbeitsplatz bedeutet, dass Betroffene systematischem Psychoterror im Sinne von regelmäßigen Schikanen, Quälen, seelischen Verletzungen und sozialer Isolation ausgesetzt sind. Diese belastende Situation am Arbeitsplatz zieht weite Kreise und beeinflusst nicht nur das Privatleben der Betroffenen stark. Auch die persönliche Gesundheit wird dabei meistens stark in Mitleidenschaft gezogen.

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Bei der Telefonseelsorge rufen Menschen an, die oft schon in einer lang andauernden Mobbinggeschichte stecken und manchmal auch schon so tief unten sind, dass es sogar zu Suizidgedanken kommen kann.
Wie kann es gelingen, dass solche Menschen wieder Boden unter den Füßen spüren und sich nicht mehr als wehrloses Opfer fühlen? Wie können diese Menschen fähig werden, Grenzen zu setzen und STOP zu sagen zu Mobbing und Ausgrenzung?

Ein erster und wichtiger Schritt ist es, dass Sie sich aufmachen und Hilfe suchen. Ein Gespräch bei der Telefonseelsorge, bei dem Sie ungeteilte Aufmerksamkeit, Verständnis und Wohlwollen bekommen, wird als sehr hilfreich empfunden.

Gespräche in der Telefonseelsorge über Mobbing beginnen oft mit Weinen der Anrufenden. Die Gefühle der Ohnmacht, der Angst und der Selbstzweifel sind zu überbordend und kaum aushaltbar. Gelingt ein gutes Gespräch, fühlen sich die Anrufenden am Ende erleichtert und sehen vielleicht sogar manches dann klarer. Einiges hat sich vielleicht auch relativiert. Auf alle Fälle kann die Erfahrung, dass jemand ein Stück des Weges mit und nicht gegen einen geht, ein klein bisschen heilsam sein.