Ich schäme mich zu Tode

Alina ist seit langem mit Max verheiratet. Sie sind beide berufstätig und verstehen sich sehr gut.

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Zum Zeitvertreib surft Alina gerne im Internet und kommt auf eine Kontakt-Plattform, auf der sie einen Mann kennenlernt. Sie schreiben sich regelmäßig. Sie mag es, wie er sich für sie interessiert, wie er ihr Komplimente macht. Sie hat das Gefühl, dass sie einander sehr gut verstehen und sie ihm Dinge anvertrauen kann, die sie Max nicht sagen will. Ja, sie hat das Gefühl, dass er sie liebt. Sie schreiben sich auch ihre erotischen Gedanken und Wünsche. Der Mann bittet Alina im Zuge dessen ihm doch ein Nackt-Foto von ihr zu schicken, was sie auch gerne tut. Für Alina ist das Ganze ein heimliches, prickelndes, aber unschuldiges Abenteuer, nichts, was mit ihrem realen Leben und Alltag zu tun hat. Sie hat überhaupt nicht vor, ihr Leben zu verändern und Max zu verlassen.

Doch dann ändert sich plötzlich alles: Der Online-Mann schreibt ihr, dass sie ihm 5000.-€ auf sein Konto überweisen soll, sonst wird er das Nacktfoto und den Verlauf ihrer Kommunikation an Max und an Alinas Eltern schicken.

Alina ist fassungslos. Sie ruft bei der Telefonseelsorge an, will einfach mit jemandem sprechen. Sie schämt sich so, dass sie nicht weiß, wem sie sich anvertrauen kann. Sie ist froh, anonym bleiben zu können. Alina ist grenzenlos verletzt darüber, dass dieser Internet-Typ so ein „Miststück“ ist, dass er ihr etwas vorgegaukelt hat und sie darauf reingefallen ist. Sie schämt sich so und hat Angst um ihre Beziehung zu Max.

Im Gespräch kommt sie zum Schluss, dass es gut ist, von sich aus mit Max zu sprechen. Von der Telefonseelsorge erhält sie die Adresse von Safer-Internet, www.saferinternet.at, wo sie sich Unterstützung holen kann. Dem Mann kann sie mitteilen, dass sie ihn anzeigen wird, falls er das Foto veröffentlicht.