Archiv für den Tag: 13. Mai 2019

Dankbarkeit im Alltag

Wofür bist du heute dankbar?

Dankbarkeit ist ein positives Gefühl und auch eine Lebenshaltung.

Dankbar sein zu können führt zu einer besseren Lebensqualität und erhöht die Lebenszufriedenheit.

Dankbar zu sein ist ein stilles und verborgenes Gefühl. Es verleitet uns meist nicht zu heftigen Gefühlsausbrüchen, aber kann uns doch ein bisschen über den Boden heben.

Dankbarkeit ist auch eine Grundhaltung meines religiösen und spirituellen Lebens, ich bin Gott dankbar für meine Familie, meine Freunde, für meine Gesundheit und für mein friedliches und existenzgesichertes Leben.

Ich kann meine Dankbarkeit in Worten, Gesten und durch meine Mimik ausdrücken. Ich bedanke mich ausdrücklich mit dem Wort „Danke“ oder ich lächle einem lieben Menschen zu. Damit drücke ich meine Anerkennung und Wertschätzung aus.

Heute habe ich einen „Dankbarkeits-Check“ gemacht:

  • Sehr gut geschlafen
  • Ohne Wecker aufgewacht
  • Herrlichen Kaffee am Frühstückstisch getrunken
  • Liebe Worte von einem Arbeitskollegen bekommen
  • Produktive Phase am Nachmittag gehabt
  • Eine echt witzige Whatsapp-Nachricht bekommen
  • Mit meinen Lieben zu Abend gegessen
  • Im Bett gelesen
  • Müde eingeschlafen

Natürlich gibt es in meinem Leben immer wieder Steine, die mir in den Weg gelegt werden und Ziele, die ich nicht erreiche. Natürlich sind das dann große Herausforderungen, meine Dankbarkeit nicht zu verlieren. Und trotzdem bin ich davon überzeugt, dass Dankbarkeit immer ein wichtiger Baustein für (m)ein glückliches Leben bleiben wird.

Dankbarkeit für die kleinen Dinge im Leben

Manchmal kommen wir an einen Punkt im Leben, an dem wir nur mehr die nicht so schönen Dinge sehen, Kummer haben und belastet sind. Das Leben scheint uns dann dunkel und schwer zu sein. Es ist für uns dann oft auch wirklich schwierig, aus dieser Spirale auszubrechen und darauf zu schauen, was wir eigentlich Schönes und Gutes in unserem Leben haben.

Ein kleiner Perspektivenwechsel kann uns manchmal dabei helfen, wieder hoffnungsvoller in die Zukunft zu schauen.  Ein Blick auf die Dinge, die uns Kraft geben, die wir als Ressource in unserem Leben haben und die uns ein (wenn auch kleines) Lächeln auf die Lippen zaubern, kann oft Wunder bewirken. Oft vergessen wir ganz einfach darauf, auch dankbar dafür zu sein, was wir an kleinen und großen Freuden in unserem Leben haben: die Menschen, die uns Kraft geben, die schönen Momente, die wir erlebt haben und erleben oder die Wunder, die uns die Natur gerade jetzt im Frühjahr tagtäglich zeigt.

Legen wir unseren Fokus darauf, DANKE zu sagen und dankbar für all die kleinen Dinge zu sein, die unser Leben lebenswert machen! Sie können uns manchmal unseren Kummer nicht nehmen, aber ein kleiner Lichtstrahl in der Dunkelheit sein, an dem wir uns festhalten können!

Ein Zitat von Francis Bacon macht uns deutlich, dass ein anderer Blickwinkel manchmal eine große Hilfe sein kann: „Nicht die Glücklichen sind dankbar, es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“

Danke, dass Sie mir zugehört haben….

„Danke, dass Sie mir zugehört haben.“ 

„Danke, ich konnte mir alles von der Seele reden und es hat so gutgetan, dass wir auch miteinander gelacht haben.“

Menschen, die bei der TelefonSeelsorge anrufen, sind oft so dankbar, auf einen Menschen zu treffen, der sich Zeit nimmt, der zuhört, der sie ausreden lässt, der beim Sortieren von Gedanken und Gefühlen hilft und der nicht bewertet, was sie richtig oder falsch gemacht haben.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass es ganz und gar nicht selbstverständlich ist, einen guten Zuhörer oder eine gute Zuhörerin zu finden. Eine kleine Geschichte fällt mir dazu ein:

Als Familie sind wir eine Zeit lang nach Kärnten auf einen Bauernhof gefahren. Der Bauer dort war ein alter Mann, der gerne mit den Gästen sprach. Wenn man ihm etwas erzählte, dann schaute er einen an, hörte ganz aufmerksam zu und sagte dann: „Interessant“ – und oft gar nicht mehr.  Wenn man in sein Gesicht sah, dann spürte man, dass er das wirklich ernst meinte. Es schien geradezu so, als würde er dem Gehörten noch wohlwollend nachsinnen.  Und dann hatte man plötzlich das Gefühl, dass das, was man gerade gesagt hatte, wirklich interessant war und dass man selber als Person ja eigentlich auch ganz interessant war. Das war ganz wunderbar.

Durch das interessierte Zuhören und die Wertschätzung dieses alten Mannes fühlte ich mich geschätzt und geehrt.  Dafür bin ich nach all diesen Jahren noch sehr dankbar. Er ist mir ein Vorbild.

„Für euch! Lasst es euch schmecken!“

Ich bin dankbar, denn heute ergab sich wieder die Chance, etwas von der Freude vor vielen Jahren weiterzugeben. Manchmal bietet sich die Gelegenheit, und manchmal schaffe ich es, sie zu nützen.

Der Anlass ist ganz lange her. Damals war ich mit einem brüderlichen Freund mit Interrail unterwegs, einen Monat lang mit dem Zug durch Europa mit recht wenig Geld. Wir schliefen im Zug in unseren Schlafsäcken auf dem Boden und mussten knapp kalkulieren. Oft war es wirklich nur ein knuspriges Brot und frisches Wasser, was wir uns leisten konnten. Gleichzeitig: „Welch ein Genuss, welche Freiheit!

Und dann wollten wir in Oslo in einem Supermarkt den billigsten Käse kaufen. „Der ist wie Gummi! Der Brie ist viel besser!“, sagte ein Mann neben uns. Wir antworteten darauf, dass wir uns den teuren nicht leisten könnten, und dass wir auch mit dem Gummikäse ganz zufrieden wären. Der Mann bestellte ein großes Stück vom Brie, der so cremig und appetitlich aussah, und ließ ihn einpacken. An der Kasse war er dann vor uns, bezahlte und hielt uns den Brie hin. „Für euch! Lasst ihn euch schmecken.“, meinte er freundlich. Es war so berührend. Wir waren so dankbar, so froh über diese Aufmerksamkeit, diese großzügige Geste.

Dieser Mann hat sicher keine Ahnung davon, wie oft ich von ihm und dieser Begegnung erzähle, und wie sehr sie mich motiviert, etwas davon weiterzugeben.

Manchmal ergibt sich die Gelegenheit, es ihm gleich zu tun, sozusagen als Fortsetzung der Freude, die er uns geschenkt hat, oder wie ein „Danke“, das weitergeht.