Archiv für den Tag: 1. Juli 2019

Wandern

„Wandern ist eine Tätigkeit der Beine und ein Zustand der Seele.“  Dieses Zitat von Josef Hofmiller bringt auf den Punkt, warum es so viele Menschen immer wieder und so oft in die Berge zieht.  Gerade in den warmen Sommermonaten genießen wir es, dort Zeit zu verbringen. Wir wandern durch die Natur, bestaunen die Schönheit der Umgebung, freuen uns, dass es etwas kühler ist und streben dem Gipfel entgegen. All diese Dinge tragen dazu bei, dass wir selbst (innere) Freiheit erleben und es auch unserer Seele gut geht.

Wandern ist nicht nur die körperliche Betätigung an sich. Sie steht manchmal auch sinnbildlich für unser Leben. Wir machen uns auf den Weg, genießen schöne Momente, stolpern über manchen Stein und freuen uns, wenn wir an unserem Ziel ankommen und ins Tal blicken können. Gerade dieser Blick umher und in die Tiefe tut auch uns in unserem Leben gut.

Manchmal müssen wir unser Leben aus der Vogelperspektive betrachten. Es kann hilfreich sein, Probleme und Herausforderungen aus der Distanz anzuschauen. Mit etwas Abstand erkennen wir den einen oder anderen Stolperstein, sehen unsere eigenen kleinen und größeren Abgründe, können aber auch feststellen, welchen Weg und welche schwierigen Stellen wir selbst schon gemeistert haben. Dadurch gewinnen wir Freiheit, aber auch innere Sicherheit. Wir erkennen, was wir schon alles geschafft haben und können unser Leben mehr genießen und schätzen.

Daher: Nützen wir die schönen Sommermonate und wagen wir uns in die (kühlen) Berge oder auf die grünen Almen. Machen wir uns auf den Weg und schauen wir ab und zu auch auf unseren eigenen „Wanderweg“ zurück.

Anderen etwas geben

„Schenken heißt, einem anderen etwas geben, was man am liebsten selbst behalten möchte.“ Dies ist ein wunderbares Zitat der bekannten schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf, auch bekannt für ihre Geschichten über Nils Holgersson und die Reise mit den Wildgänsen. Wie habe ich diese Abenteuer als Kind geliebt!

Schenken heißt aber auch, sich Gedanken zu machen, was dem Gegenüber Freude macht, was sein Herz berührt und natürlich auch, ob man es gut „gebrauchen“ kann. Sich Zeit zu nehmen und zu überlegen, was man schenken möchte, kann etwas sehr Schönes sein. Es ist ein Auseinandersetzen mit diesem Menschen, ein Einfühlen in dessen Welt und Vorlieben und für mich auch ein Zeichen der Wertschätzung und Zuneigung. Allein schon das Überlegen und Nachdenken darüber hat seinen besonderen Wert. Und wenn dann ein Lächeln dem Beschenkten übers Gesicht huscht, kann das schon ein magischer Moment sein.

Und was hat das mit der Telefonseelsorge zu tun? Im Grunde sehr viel. Ein Gespräch bedeutet auch, sich mit dem Gegenüber auseinanderzusetzten, empathisch zu sein und sich zu überlegen, was dieser Mensch jetzt gerade gut „gebrauchen“ könnte. Es ist die Zeit des Gespräches, die ich als Telefonberaterin meinem Gegenüber schenke.

Manchmal werde ich auch umgekehrt vom Anrufenden beschenkt. Wenn ein schönes Gespräch von Herz zu Herz möglich war, zaubert sich ein Lächeln ebenso auf mein Gesicht.

Schenken ist etwas herzerwärmend Wunderbares!