Fernweh und Grenzen

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein …“

Diese berühmte Liedzeile von Reinhard Mey versetzt wohl viele von uns in eine angenehme Hochstimmung. Umso mehr vielleicht mit der Aussicht auf kommende sommerliche Ferienereignisse, die uns aus unserem Alltag herausführen und in verschiedener Hinsicht solche Grenzüberschreitungen versprechen.

Denn wer ersehnt sich das nicht? Das Gefühl von Ungebundenheit und Leichtigkeit, von Freiheit und Grenzenlosigkeit.

Denn die Grenzen sind allgegenwärtig: in unserem Leben und Alltag, in unseren Lebensgeschichten und Lebensräumen, die Grenzen, die unser Körper vorgibt, und die Grenzen in unseren Köpfen und in unseren Herzen. Wir spüren diese Grenzen und manchmal engen sie uns ein und behindern uns. Sie machen uns starr.

In der Telefonseelsorge rufen Menschen an, die solche negativen Grenzerfahrungen gemacht haben und täglich wieder machen.

Manche leben allein und sind einsam. Sie schaffen die Grenzüberwindung zu einem anderen Menschen nicht oder nur schwer.

Andere haben eine psychische Erkrankung und fühlen sich ausgegrenzt. Sie können die Grenze zu einem „normalen“ Leben hin nur mühsam überschreiten und stecken in ihrer Krankheit fest.

Manche Menschen sind wohnungslos oder arbeitslos. Materielle Sorgen und Nöte ziehen Grenzen, durch die die Möglichkeiten einer glücklichen Lebensgestaltung unterbunden oder zumindest eingeschränkt werden.

Wie können wir solche Grenzen überwinden und überschreiten? Oder wenigstens weiten und dehnen? Wie können wir Menschen es schaffen, besser mit Grenzen umzugehen und zu leichtfüßigeren Grenzgängern zu werden?

Das sind schwer zu beantwortende Fragen. In der Telefonseelsorge machen wir uns Gedanken darüber und versuchen, diese grenzüberschreitenden Über-den-Wolken-Aussichten für alle Menschen nicht aus den Augen zu verlieren!