Archiv für den Monat: August 2019

Suizidprävention

Suizide richten sich nicht nach Öffnungszeiten von Beratungsstellen. Akute Suizidalität kann leider zu jeder Tages- und Nachtzeit auftreten. Bevor es zum Äußersten kommt (Suizid), kann es helfen mit jemandem in Kontakt zu treten, sei es am Telefon oder online über Chat oder Mail. So kann akute Suizidalität oftmals abgewandt werden.

Für viele Menschen ist es eine große Hürde jemandem die eigenen Suizidgedanken anzuvertrauen. Anonyme Krisendienste wie zum Beispiel die Telefonseelsorge machen es diesen Menschen etwas leichter, darüber reden bzw. schreiben zu können. Trotzdem werden auch hier Suizidgedanken öfter Mal umschrieben mit „schlimme Gedanken“, „komische Gedanken“ oder „Habe manchmal so eigenartige Vorstellungen…“, „Ich trau mich gar nicht darüber reden…“, „Ich weiß nicht, was Sie von mir denken, wenn ich Ihnen das erzähle…“ …

Erst durch vorsichtiges Nachfragen, Herantasten und Verstehen, erfahren die BeraterInnen, was es wirklich mit den „komischen Gedanken“ auf sich hat. Da muss aber im Vorfeld an der Beziehung zwischen KlientIn und BeraterIn gearbeitet werden, damit der oder die KlientIn Vertrauen zum Gegenüber aufbauen kann.

Wenn Vertrauen da ist, kann etwas anvertraut werden!

„Wollen Sie damit ausdrücken, dass Sie sich das Leben nehmen wollen?“  Dieser Satz kann Menschen mit latenten Suizidgedanken richtig wachrütteln: „Ja, ich habe schon öfters daran gedacht.“ Oder „Nein, nein, so schlimm ist es nicht.“ …  Für Menschen mit akuten Suizidgedanken kann diese Frage erleichternd sein. Sie können sich verstanden fühlen. Akute Suizidgedanken dürfen ausgesprochen werden, ohne dass das Gegenüber beschwichtigt („Aber geh, wird ja nicht so schlimm sein“) oder überreagiert („Du musst sofort zu einem Arzt, in die Psychiatrie, …“)

Suizidprävention beinhaltet auch, Suizidgedanken einfach einmal zuzulassen. Denn ja, Suizidgedanken dürfen sein! Ja, sie dürfen laut ausgesprochen werden und haben ihre Berechtigung! Erst wenn die Suizidgedanken einmal ihren Raum bekommen haben, kann darüber gesprochen werden, wie es dazu gekommen ist, was Betroffene tun können und wer bzw. was helfen kann.

Es gibt viele Gründe das Leben zu lieben – was ist deiner?

Bei einer Straßenaktion wurde Menschen verschiedenen Alters diese Frage gestellt. Sich mit Gründen, die das Leben lebenswert machen, auseinanderzusetzen, ist wichtig. Das Leben ist kurz und es tut uns gut, gelegentlich mal etwas Abstand zu nehmen, um zu erkennen, wie großartig es eigentlich sein kann.

Die Antworten bei dieser Straßenaktion waren sehr vielfältig und bunt:

„Zeit mit lieben Menschen verbringen“

„Naturerlebnisse“

„Meine Katzen“

„Gesundheit“

„Ein erfüllender Beruf“

„Selbstbestimmt leben“

„Meine Familie, meine Kinder“ …

Viele oft ganz kleine, vielleicht auch als selbstverständlich angesehene Dinge sind es offenbar, die das Leben lebenswert machen können. Oft sind es gar nicht die großen Lebensereignisse. Nichts, was viel Geld kostet, und vieles, das uns als Geschenk gegeben ist.

Das Leben schenkt uns Momente höchsten Glücks, aber manchmal hält es für uns auch Situationen bereit, die uns herausfordern und vielleicht sogar den Sinn des Lebens verschlossen halten. In der Telefonseelsorge erleben wir täglich am Telefon, wie Menschen, die den Sinn des Lebens verloren haben, vielleicht nicht unbedingt sterben wollen, aber auch nicht mehr wissen, woher sie die Kraft zum Weiterleben bekommen. Ein wichtiger Schritt ist schon getan, wenn jemand es schafft, sich mitzuteilen und in einem Gespräch Entlastung und Hilfe erfährt. Im Idealfall ist es dabei möglich, wieder den Blick zu weiten für das, was einen doch noch am Leben hält.

Es gibt viele Dinge, das Leben zu lieben – was ist deiner?

Wenn die Seele in Turbulenzen gerät, …

… dann spielen viele Faktoren dabei eine Rolle. Selbstvertrauen, Lebenssinn, oder soziale Bindungen, aber auch Wohlbefinden und Lebensqualität sind wesentlich für unsere seelische Gesundheit. Wenn dir davon etwas abhandenkommt, oder die Seele von außen verletzt wird, dann bist zuerst einmal DU selbst die beste Heilerin bzw. der beste Heiler.

Wie kannst du die Fähigkeiten und Haltungen erlangen, um jene Anforderungen gut zu bewältigen, die täglich anstehen? Wo findest du den Balsam für die Narben auf deiner Seele?

Peter Schellenbaum sagt: „Heilung geschieht durch Berührung mit der eigenen Wahrheit, durch körperliches und seelisches „In-Fühlung-Treten“ mit dem was schmerzt und stört. Riskiere einen offenen Blick auf das was ist.“.

Weiters habe Geduld! Seelische Genesung ist ein Prozess und geht nicht von heute auf morgen. Sie geht einher mit dem Verändern deines Denkens und deines Handelns.

Liebe geben, Liebe nehmen, berühren und sich berühren lassen, Sicherheit aufbauen, deine Gefühle zum Ausdruck bringen, Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen, das Selbstvertrauen wieder stärken, sind Themen, die in guten Zeiten schon geübt werden sollten, um dann in schwierigen Phasen darauf zurück greifen zu können.

Leicht gesagt, aber noch lange nicht getan. Beginne daher mit kleinen Schritten, wie z.B. jemand einen Gefallen zu tun, einem Gegenüber ein Lächeln schenken, die Natur wieder einmal in Ruhe und ausgiebig betrachten, einem Freund oder einer Freundin einen Brief oder eine Karte schreiben, einen Spaziergang im Regen machen, einen Baum pflanzen, jemanden umarmen, …

Wenn du eines dieser Dinge gemacht hast, mach Pause und dann nimmst du dir eine nächste Aufgabe vor. Freue dich über deine Fortschritte!