Suizidprävention

Suizide richten sich nicht nach Öffnungszeiten von Beratungsstellen. Akute Suizidalität kann leider zu jeder Tages- und Nachtzeit auftreten. Bevor es zum Äußersten kommt (Suizid), kann es helfen mit jemandem in Kontakt zu treten, sei es am Telefon oder online über Chat oder Mail. So kann akute Suizidalität oftmals abgewandt werden.

Für viele Menschen ist es eine große Hürde jemandem die eigenen Suizidgedanken anzuvertrauen. Anonyme Krisendienste wie zum Beispiel die Telefonseelsorge machen es diesen Menschen etwas leichter, darüber reden bzw. schreiben zu können. Trotzdem werden auch hier Suizidgedanken öfter Mal umschrieben mit „schlimme Gedanken“, „komische Gedanken“ oder „Habe manchmal so eigenartige Vorstellungen…“, „Ich trau mich gar nicht darüber reden…“, „Ich weiß nicht, was Sie von mir denken, wenn ich Ihnen das erzähle…“ …

Erst durch vorsichtiges Nachfragen, Herantasten und Verstehen, erfahren die BeraterInnen, was es wirklich mit den „komischen Gedanken“ auf sich hat. Da muss aber im Vorfeld an der Beziehung zwischen KlientIn und BeraterIn gearbeitet werden, damit der oder die KlientIn Vertrauen zum Gegenüber aufbauen kann.

Wenn Vertrauen da ist, kann etwas anvertraut werden!

„Wollen Sie damit ausdrücken, dass Sie sich das Leben nehmen wollen?“  Dieser Satz kann Menschen mit latenten Suizidgedanken richtig wachrütteln: „Ja, ich habe schon öfters daran gedacht.“ Oder „Nein, nein, so schlimm ist es nicht.“ …  Für Menschen mit akuten Suizidgedanken kann diese Frage erleichternd sein. Sie können sich verstanden fühlen. Akute Suizidgedanken dürfen ausgesprochen werden, ohne dass das Gegenüber beschwichtigt („Aber geh, wird ja nicht so schlimm sein“) oder überreagiert („Du musst sofort zu einem Arzt, in die Psychiatrie, …“)

Suizidprävention beinhaltet auch, Suizidgedanken einfach einmal zuzulassen. Denn ja, Suizidgedanken dürfen sein! Ja, sie dürfen laut ausgesprochen werden und haben ihre Berechtigung! Erst wenn die Suizidgedanken einmal ihren Raum bekommen haben, kann darüber gesprochen werden, wie es dazu gekommen ist, was Betroffene tun können und wer bzw. was helfen kann.