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Kleine Ressourcen

Menschen, die in der Telefonseelsorge anrufen, leiden. Sie fühlen Hilflosigkeit und Angst, Hoffnungslosigkeit, Trauer und Einsamkeit. Und manchmal sind sie in einer Krise.

Umso erstaunlicher und bewundernswerter ist es für mich dann, welche Antworten diese Menschen trotzdem geben können, wenn ich sie frage, welche Dinge sie denn trotz aller Schwierigkeiten in ihrem Leben für ihre Ressourcen und Kraftquellen halten.

Kürzlich hatte ich ein Gespräch mit einer Frau, die ins Telefon weinte und gleichzeitig auch ein bisschen alkoholisiert war. Sie habe eine schwere Zeit zu meistern, meinte sie. Nach einem Beziehungsende nach über 20 Jahre sei sie nun Alleinerzieherin und manchmal ziemlich überfordert. Dazu kommt, dass ihr Vater im Sterben liegt und sie außerdem aufgrund einiger Anzeichen befürchtet, ihre Arbeit zu verlieren.

Irgendwann kamen wir im Gespräch drauf, was ihr denn noch guttue.

Sie antwortete, dass sie zwei Freundinnen habe, die ihr sehr wertvoll sind, vor denen sie aber stark erscheinen will und ihnen nicht so viel über ihr Leben erzähle, wie sie könnte. Auch habe sie einen Hund, der „alles weiß“, aber alt und schwach ist und nicht mehr lange leben wird. Und als letztes falle ihr noch ein, dass sie immer schon gern Tagebuch geschrieben habe, in letzter Zeit zwar nicht mehr so häufig, aber das habe ihr immer gut getan und das werde sie vielleicht wieder angehen.

Ich war sehr beeindruckt von dieser Aufzählung und versuchte die Anruferin zu ermuntern, diese Dinge weiter zu pflegen.

Natürlich war am Ende des Gespräches nichts im Leben dieser Frau wirklich anders oder gar gelöst, aber sie fühlte sich ein bisschen erleichterter und bedankte sich für die Zeit.

Und hoffentlich war es auch möglich gewesen, dachte ich mir, dieser Anruferin bewusst zu machen, wie viele, vielleicht als klein erscheinende Ressourcen und Kraftquellen sie in ihrem Leben doch auch besitzt.

Vermissen und lieben

Wenn ein geliebter Mensch plötzlich verstirbt, bleibt im ersten Moment die eigene Zeit stehen. Es ist, als ob die Welt rundherum sich weiterdreht, aber ohne dass man selbst noch daran teilnimmt. Der Schock fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Das Realisieren geschieht nur langsam.

Es folgen tiefe Traurigkeit, Verzweiflung und auch immer wieder Unfassbarkeit. Wut und Fragen wie „Was wäre gewesen, wenn…?“ mischen sich hinzu. Es braucht Zeit. Zeit, um sich zu fassen und sich zu verabschieden. Und selbst mit der Zeit wird es nicht ganz gut. Wenn jemand stirbt, dann wird das nicht mehr gut. Es wird anders.

Das Wort „vermissen“ bekommt eine neue Bedeutung. Manchmal tut es unheimlich weh. Doch manchmal schleicht sich ein anderes Gefühl dazu. Es ist die Liebe. Das tiefere Wesen des Vermissens. Je mehr ein Mensch geliebt wurde, desto mehr vermisst man diesen Menschen nach seinem Tod. Es hilft, sich diese Liebe wieder in Erinnerung zu rufen, um das Vermissen auszuhalten. Es hilft auch, um schöne Erinnerungen hervorzuholen. Die Liebe macht den Tod nicht ungeschehen. Aber die Liebe kann den Tod überdauern. Und das darf sein. Das Gefühl des Vermissens erinnert uns an diese Liebe.

 

DANKE

Liebes Team der Telefonseelsorge Österreich,

Ich möchte euch auf diesem Weg mein großes, herzliches DANKE zukommen lassen.

Vor mittlerweile 8 Wochen habe ich mich in einer absoluten Krisensituation, in einer Depression mit heftigen Suizidgedanken und -absichten, voller Verzweiflung an die Telefonseelsorge gewandt. Am anderen Ende der Leitung war eine sehr aufmerksame, liebevolle weibliche Person, die mir zugehört hat und hilfreichen Rat geben konnte. Ihre konkrete Hilfestellung war, mich in ein Psychiatrisches Krankenhaus einweisen zu lassen und mir die Möglichkeit einer Reha aufzuzeigen. Sie erzählte mir dabei von einem bekannten Fall, bei dem diese Hilfemaßnahmen zu einer guten Stabilisierung beigetragen haben.

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