Archiv der Kategorie: blog

Tausende fallende goldene Blätter

Ein Spaziergang durch den herbstlichen Wald.  So mild ist es noch. Vom unendlich weiten blauen Himmel scheint die Sonne. Ein Windstoß – und dann: Tausende Blätter lösen sich wie auf ein Kommando von den Bäumen – wirbeln wie Goldflitter durch die Luft bis sie langsam am Boden landen. Wunderschön und erhebend ist es diesem Naturschauspiel zuzuschauen.

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Stefan, ich vermisse Dich

Nie mehr –

–  werden wir gemeinsam lachen
–  wirst du mich fragen, wie es mir geht
–  wirst du mir von deinen vielen Plänen erzählen
–   wirst du mich besuchen
–   so Vieles wird es nie mehr geben.

Stefan, ich vermisse Dich.

Mein Bruder Stefan ist im letzten Jahr an Krebs gestorben. Richtig elend.

Hilflos schaut man zu, dass keine einzige Therapie Erfolg zeigt. Stefan sperrt den Tod aus, glaubt bis zuletzt, dass es wieder wird, dass nur noch die Schmerzen in den Griff zu kriegen sind. Aber so ist es nicht.

Zuerst ist da eine Lähmung und eine Wut: Warum muss so ein tatkräftiger, hilfsbereiter, lebensfroher Mensch so früh sterben. Alles ist so sinnlos, so zufällig. Ein Abschreibfehler bei der Zellteilung? Als Kind habe ich gelernt: Wenn Du Dich bemühst und anstrengst, dann wird alles gut. Aber so ist es nicht. Leere – was hält uns, was trägt uns, worauf kann ich mich verlassen.

Trauer – Wehmut – Dankbarkeit. Ich weiß, ich hatte den besten Bruder der Welt. Dieses Glück hat nicht jeder. Wenn ich an ihn denke, spüre ich Stolz und Dankbarkeit und Liebe. Das ist, was mich trägt.

 

Altwerden ist manchmal wie in der Fremde sein

Ich vermisse meine liebe Frau und meine Selbständigkeit.

„Du hast ein schönes Alter erreicht“, das hat mein Opa öfter die Leute sagen hören. Tatsächlich ist er 98 Jahre alt geworden und war bis zum Schluss geistig wach.  Wir haben ihn oft besucht, aber er war auch viele Stunden alleine.

So viele seiner Freunde und Verwandten hat er überlebt. Besonders vermisst hat er seine „liebe Frau“. So hat er immer von der Oma gesprochen.

„Meine liebe Frau hat sich immer um mich gesorgt.“

„Meiner lieben Frau habe ich so viel in meinem Leben zu verdanken.“ Weiterlesen

Was ich vermisse

Menschen, die sich an die Telefonseelsorge wenden, erzählen nicht selten davon, was sie vermissen.

Eine Anruferin ruft an und weint. Ihre Katze ist am Tag zuvor gestorben. Sie lebt alleine, hat auch kaum Kontakte. Die Katze war immer um sie herum. Sie im Arm zu halten und das Fell zu streicheln, gab ihr ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit, mit ihr fühlte sie sich viel weniger allein. Am Telefon höre ich ihr zu, trauere mit ihr. Sie sagt, es tut ihr gut, wenigstens mit jemandem sprechen zu können. Weiterlesen

Gefesselt vorm Computer

Eine Mutter erzählte mir von ihrem 14järigen Sohn:

„Er sitzt die ganze Zeit vor dem Computer und spielt. Sein gesamtes Denken und Verhalten ist darauf hin ausgerichtet. Er hat nur mehr wenig Freizeitaktivitäten, vielleicht schwänzt er auch die Schule. Er belügt mich manchmal, was seine tatsächliche Zeit vor dem PC betrifft. Wenn ich ihm den Computer wegnehme, wird er gereizt und manchmal ganz aggressiv. Als ob er Entzugserscheinungen hätte. Dazu kommt, dass ich alleine mit dem Problem bin. Seit mein Mann und ich uns getrennt haben, bin ich allein dafür zuständig. Irgendwie mach ich mir Sorgen, dass er süchtig ist.“

Puh, hab ich mir bei dem Gespräch gedacht, was für eine schwierige Situation. Weiterlesen

Vermissen und lieben

Wenn ein geliebter Mensch plötzlich verstirbt, bleibt im ersten Moment die eigene Zeit stehen. Es ist, als ob die Welt rundherum sich weiterdreht, aber ohne dass man selbst noch daran teilnimmt. Der Schock fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Das Realisieren geschieht nur langsam.

Es folgen tiefe Traurigkeit, Verzweiflung und auch immer wieder Unfassbarkeit. Wut und Fragen wie „Was wäre gewesen, wenn…?“ mischen sich hinzu. Es braucht Zeit. Zeit, um sich zu fassen und sich zu verabschieden. Und selbst mit der Zeit wird es nicht ganz gut. Wenn jemand stirbt, dann wird das nicht mehr gut. Es wird anders.

Das Wort „vermissen“ bekommt eine neue Bedeutung. Manchmal tut es unheimlich weh. Doch manchmal schleicht sich ein anderes Gefühl dazu. Es ist die Liebe. Das tiefere Wesen des Vermissens. Je mehr ein Mensch geliebt wurde, desto mehr vermisst man diesen Menschen nach seinem Tod. Es hilft, sich diese Liebe wieder in Erinnerung zu rufen, um das Vermissen auszuhalten. Es hilft auch, um schöne Erinnerungen hervorzuholen. Die Liebe macht den Tod nicht ungeschehen. Aber die Liebe kann den Tod überdauern. Und das darf sein. Das Gefühl des Vermissens erinnert uns an diese Liebe.

 

Von Einer die auszog das Annehmen zu lernen

… dann geh ich mal …..

…von Einer die auszog das Annehmen zu lernen ….

Die Sommerzeit lädt ein, sich einmal für mehrere Tage auf den Weg zu machen, eine längere Wanderung zu planen, abzuschalten, allein zu sein, Neuem zu begegnen, Sich zu begegnen. Und dann, am ersten Tag passiert mir durch Unachtsamkeit und „hudeln“ ein böser Sturz, der eine tiefe Wunde aufreißt. Panik, Hilflosigkeit, Schock. Niemand in Rufweite, niemand der sagt, was zu tun wäre. „Alles wird gut, ganz ruhig, atme tief durch“ die eigenen Worte klingen wie Mantras. Die Natur bietet massenhaft Kräuter, gleich hier in der Wiese, die Erstversorgung gelingt mir recht gut. Und dann? Abbruch oder Neustart? Trotz Schmerzen, trotz Unsicherheit was da kommen mag wird es ein Neustart. Das Bauchgefühl sagt mir: „Du schaffst das, probiere es wenigstens“. Ein Schritt nach dem anderen, nicht die ganze Etappe vor den Augen, sondern spüren, wenn es Zeit ist zu rasten. Wissend, es braucht auch professionelle Hilfe und diese auch anzunehmen. Mit jedem Schritt mit jedem Tag heilt meine Wunde ein wenig, aber sie braucht Zuwendung, braucht jemanden der sich auskennt was zu tun ist, braucht Beachtung. Die Wunde ist nach außen gut sichtbar, unbekannte Menschen bieten mir Hilfe an, einfach so. Annehmen ist auch eine Kunst, aber sie dient schlussendlich der Heilung auf wundersame Weise. Die Narbe wird mich daran erinnern, dass es in schwierigen Situationen und Zeiten immer mehrere Varianten gibt diese zu bewältigen und es sich lohnt, sich auch einmal auf etwas Neues einzulassen.

 

Gedanke und Worte wirken

Von einem Gespräch mit einer Anruferin habe ich noch eine Aussage im Ohr: „Wenn ich ehrlich bin merke ich einen großen Unterschied wie ich mit mir selbst in Gedanken rede und wie ich mit meinen Kindern rede. Mit mir selbst bin ich streng und verurteilend. Die Kinder lobe ich und versuche ich positiv zu unterstützen…“

Besonders im Alltag mit seinen vielfältigen Anforderungen sind wir gefordert. Wir sind gewohnt zu funktionieren und darauf zu achten, dass alles gut läuft. Und anstatt uns selbst dafür wertzuschätzen, sehen wir vor allem das, was misslingt und „schimpfen“ uns dafür. Dabei würden auch uns anerkennende, aufmunternde Worte gut tun. Weiterlesen

DANKE

Liebes Team der Telefonseelsorge Österreich,

Ich möchte euch auf diesem Weg mein großes, herzliches DANKE zukommen lassen.

Vor mittlerweile 8 Wochen habe ich mich in einer absoluten Krisensituation, in einer Depression mit heftigen Suizidgedanken und -absichten, voller Verzweiflung an die Telefonseelsorge gewandt. Am anderen Ende der Leitung war eine sehr aufmerksame, liebevolle weibliche Person, die mir zugehört hat und hilfreichen Rat geben konnte. Ihre konkrete Hilfestellung war, mich in ein Psychiatrisches Krankenhaus einweisen zu lassen und mir die Möglichkeit einer Reha aufzuzeigen. Sie erzählte mir dabei von einem bekannten Fall, bei dem diese Hilfemaßnahmen zu einer guten Stabilisierung beigetragen haben.

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Wunschlos glücklich?

Können Sie sich noch erinnern, an die Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat? Sie ist jetzt! Gute Wünsche schenken wir anderen, oder uns selbst. Immer sind sie mit der Hoffnung nach Erfüllung verbunden und das gibt jene Energie, die es braucht um einen nächsten Schritt in eine gute Richtung zu setzen. Sparen Sie nicht mit guten Wünschen, „wunschlos glücklich“ klingt nach Gemüsesuppe ohne Gemüse und Gewürz.