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Wanderlust, Fernweh, Leben genießen

So gern ist Maria mit ihren Enkelkindern auf den Reiterhof gefahren. Wochen davor hatte sie sich schon darauf gefreut.

Und plötzlich war alles anders. Eine schwere Krankheit und ihre Folgen hatten sie ausgebremst. Vieles von dem, was vorher möglich war, ging nun nicht mehr. Trauer tauchte auf, manchmal auch ein wenig Neid auf andere, und dazu der Stress, soviel Zeit wie möglich noch mit ihrer Familie zu erleben, bevor die Diagnose sich verschlechtern könnte.

Schrittweise aber arrangiert sie sich, entdeckt Lebensqualität in ganz kleinen Dingen. Welche Freude, als das Essen wieder schmeckt, und sie es genießen kann, nachdem es lange Zeit durch die Therapien nur nach Metall geschmeckt hat.

Statt langer Reisen freut sie sich über einen Nachmittag im Garten mit ihren Enkelkindern, über einen kleinen Spaziergang, über das Zwitschern der Vögel vor ihrem Balkon.

Ich lerne von ihr die Qualität der Nähe zu entdecken.

Wandern

„Wandern ist eine Tätigkeit der Beine und ein Zustand der Seele.“  Dieses Zitat von Josef Hofmiller bringt auf den Punkt, warum es so viele Menschen immer wieder und so oft in die Berge zieht.  Gerade in den warmen Sommermonaten genießen wir es, dort Zeit zu verbringen. Wir wandern durch die Natur, bestaunen die Schönheit der Umgebung, freuen uns, dass es etwas kühler ist und streben dem Gipfel entgegen. All diese Dinge tragen dazu bei, dass wir selbst (innere) Freiheit erleben und es auch unserer Seele gut geht.

Wandern ist nicht nur die körperliche Betätigung an sich. Sie steht manchmal auch sinnbildlich für unser Leben. Wir machen uns auf den Weg, genießen schöne Momente, stolpern über manchen Stein und freuen uns, wenn wir an unserem Ziel ankommen und ins Tal blicken können. Gerade dieser Blick umher und in die Tiefe tut auch uns in unserem Leben gut.

Manchmal müssen wir unser Leben aus der Vogelperspektive betrachten. Es kann hilfreich sein, Probleme und Herausforderungen aus der Distanz anzuschauen. Mit etwas Abstand erkennen wir den einen oder anderen Stolperstein, sehen unsere eigenen kleinen und größeren Abgründe, können aber auch feststellen, welchen Weg und welche schwierigen Stellen wir selbst schon gemeistert haben. Dadurch gewinnen wir Freiheit, aber auch innere Sicherheit. Wir erkennen, was wir schon alles geschafft haben und können unser Leben mehr genießen und schätzen.

Daher: Nützen wir die schönen Sommermonate und wagen wir uns in die (kühlen) Berge oder auf die grünen Almen. Machen wir uns auf den Weg und schauen wir ab und zu auch auf unseren eigenen „Wanderweg“ zurück.

Anderen etwas geben

„Schenken heißt, einem anderen etwas geben, was man am liebsten selbst behalten möchte.“ Dies ist ein wunderbares Zitat der bekannten schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf, auch bekannt für ihre Geschichten über Nils Holgersson und die Reise mit den Wildgänsen. Wie habe ich diese Abenteuer als Kind geliebt!

Schenken heißt aber auch, sich Gedanken zu machen, was dem Gegenüber Freude macht, was sein Herz berührt und natürlich auch, ob man es gut „gebrauchen“ kann. Sich Zeit zu nehmen und zu überlegen, was man schenken möchte, kann etwas sehr Schönes sein. Es ist ein Auseinandersetzen mit diesem Menschen, ein Einfühlen in dessen Welt und Vorlieben und für mich auch ein Zeichen der Wertschätzung und Zuneigung. Allein schon das Überlegen und Nachdenken darüber hat seinen besonderen Wert. Und wenn dann ein Lächeln dem Beschenkten übers Gesicht huscht, kann das schon ein magischer Moment sein.

Und was hat das mit der Telefonseelsorge zu tun? Im Grunde sehr viel. Ein Gespräch bedeutet auch, sich mit dem Gegenüber auseinanderzusetzten, empathisch zu sein und sich zu überlegen, was dieser Mensch jetzt gerade gut „gebrauchen“ könnte. Es ist die Zeit des Gespräches, die ich als Telefonberaterin meinem Gegenüber schenke.

Manchmal werde ich auch umgekehrt vom Anrufenden beschenkt. Wenn ein schönes Gespräch von Herz zu Herz möglich war, zaubert sich ein Lächeln ebenso auf mein Gesicht.

Schenken ist etwas herzerwärmend Wunderbares!

Dankbarkeit im Alltag

Wofür bist du heute dankbar?

Dankbarkeit ist ein positives Gefühl und auch eine Lebenshaltung.

Dankbar sein zu können führt zu einer besseren Lebensqualität und erhöht die Lebenszufriedenheit.

Dankbar zu sein ist ein stilles und verborgenes Gefühl. Es verleitet uns meist nicht zu heftigen Gefühlsausbrüchen, aber kann uns doch ein bisschen über den Boden heben.

Dankbarkeit ist auch eine Grundhaltung meines religiösen und spirituellen Lebens, ich bin Gott dankbar für meine Familie, meine Freunde, für meine Gesundheit und für mein friedliches und existenzgesichertes Leben.

Ich kann meine Dankbarkeit in Worten, Gesten und durch meine Mimik ausdrücken. Ich bedanke mich ausdrücklich mit dem Wort „Danke“ oder ich lächle einem lieben Menschen zu. Damit drücke ich meine Anerkennung und Wertschätzung aus.

Heute habe ich einen „Dankbarkeits-Check“ gemacht:

  • Sehr gut geschlafen
  • Ohne Wecker aufgewacht
  • Herrlichen Kaffee am Frühstückstisch getrunken
  • Liebe Worte von einem Arbeitskollegen bekommen
  • Produktive Phase am Nachmittag gehabt
  • Eine echt witzige Whatsapp-Nachricht bekommen
  • Mit meinen Lieben zu Abend gegessen
  • Im Bett gelesen
  • Müde eingeschlafen

Natürlich gibt es in meinem Leben immer wieder Steine, die mir in den Weg gelegt werden und Ziele, die ich nicht erreiche. Natürlich sind das dann große Herausforderungen, meine Dankbarkeit nicht zu verlieren. Und trotzdem bin ich davon überzeugt, dass Dankbarkeit immer ein wichtiger Baustein für (m)ein glückliches Leben bleiben wird.

Dankbarkeit für die kleinen Dinge im Leben

Manchmal kommen wir an einen Punkt im Leben, an dem wir nur mehr die nicht so schönen Dinge sehen, Kummer haben und belastet sind. Das Leben scheint uns dann dunkel und schwer zu sein. Es ist für uns dann oft auch wirklich schwierig, aus dieser Spirale auszubrechen und darauf zu schauen, was wir eigentlich Schönes und Gutes in unserem Leben haben.

Ein kleiner Perspektivenwechsel kann uns manchmal dabei helfen, wieder hoffnungsvoller in die Zukunft zu schauen.  Ein Blick auf die Dinge, die uns Kraft geben, die wir als Ressource in unserem Leben haben und die uns ein (wenn auch kleines) Lächeln auf die Lippen zaubern, kann oft Wunder bewirken. Oft vergessen wir ganz einfach darauf, auch dankbar dafür zu sein, was wir an kleinen und großen Freuden in unserem Leben haben: die Menschen, die uns Kraft geben, die schönen Momente, die wir erlebt haben und erleben oder die Wunder, die uns die Natur gerade jetzt im Frühjahr tagtäglich zeigt.

Legen wir unseren Fokus darauf, DANKE zu sagen und dankbar für all die kleinen Dinge zu sein, die unser Leben lebenswert machen! Sie können uns manchmal unseren Kummer nicht nehmen, aber ein kleiner Lichtstrahl in der Dunkelheit sein, an dem wir uns festhalten können!

Ein Zitat von Francis Bacon macht uns deutlich, dass ein anderer Blickwinkel manchmal eine große Hilfe sein kann: „Nicht die Glücklichen sind dankbar, es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“

Danke, dass Sie mir zugehört haben….

„Danke, dass Sie mir zugehört haben.“ 

„Danke, ich konnte mir alles von der Seele reden und es hat so gutgetan, dass wir auch miteinander gelacht haben.“

Menschen, die bei der TelefonSeelsorge anrufen, sind oft so dankbar, auf einen Menschen zu treffen, der sich Zeit nimmt, der zuhört, der sie ausreden lässt, der beim Sortieren von Gedanken und Gefühlen hilft und der nicht bewertet, was sie richtig oder falsch gemacht haben.

Meine persönliche Erfahrung ist, dass es ganz und gar nicht selbstverständlich ist, einen guten Zuhörer oder eine gute Zuhörerin zu finden. Eine kleine Geschichte fällt mir dazu ein:

Als Familie sind wir eine Zeit lang nach Kärnten auf einen Bauernhof gefahren. Der Bauer dort war ein alter Mann, der gerne mit den Gästen sprach. Wenn man ihm etwas erzählte, dann schaute er einen an, hörte ganz aufmerksam zu und sagte dann: „Interessant“ – und oft gar nicht mehr.  Wenn man in sein Gesicht sah, dann spürte man, dass er das wirklich ernst meinte. Es schien geradezu so, als würde er dem Gehörten noch wohlwollend nachsinnen.  Und dann hatte man plötzlich das Gefühl, dass das, was man gerade gesagt hatte, wirklich interessant war und dass man selber als Person ja eigentlich auch ganz interessant war. Das war ganz wunderbar.

Durch das interessierte Zuhören und die Wertschätzung dieses alten Mannes fühlte ich mich geschätzt und geehrt.  Dafür bin ich nach all diesen Jahren noch sehr dankbar. Er ist mir ein Vorbild.

„Für euch! Lasst es euch schmecken!“

Ich bin dankbar, denn heute ergab sich wieder die Chance, etwas von der Freude vor vielen Jahren weiterzugeben. Manchmal bietet sich die Gelegenheit, und manchmal schaffe ich es, sie zu nützen.

Der Anlass ist ganz lange her. Damals war ich mit einem brüderlichen Freund mit Interrail unterwegs, einen Monat lang mit dem Zug durch Europa mit recht wenig Geld. Wir schliefen im Zug in unseren Schlafsäcken auf dem Boden und mussten knapp kalkulieren. Oft war es wirklich nur ein knuspriges Brot und frisches Wasser, was wir uns leisten konnten. Gleichzeitig: „Welch ein Genuss, welche Freiheit!

Und dann wollten wir in Oslo in einem Supermarkt den billigsten Käse kaufen. „Der ist wie Gummi! Der Brie ist viel besser!“, sagte ein Mann neben uns. Wir antworteten darauf, dass wir uns den teuren nicht leisten könnten, und dass wir auch mit dem Gummikäse ganz zufrieden wären. Der Mann bestellte ein großes Stück vom Brie, der so cremig und appetitlich aussah, und ließ ihn einpacken. An der Kasse war er dann vor uns, bezahlte und hielt uns den Brie hin. „Für euch! Lasst ihn euch schmecken.“, meinte er freundlich. Es war so berührend. Wir waren so dankbar, so froh über diese Aufmerksamkeit, diese großzügige Geste.

Dieser Mann hat sicher keine Ahnung davon, wie oft ich von ihm und dieser Begegnung erzähle, und wie sehr sie mich motiviert, etwas davon weiterzugeben.

Manchmal ergibt sich die Gelegenheit, es ihm gleich zu tun, sozusagen als Fortsetzung der Freude, die er uns geschenkt hat, oder wie ein „Danke“, das weitergeht.

Demenz – Belastungen für Angehörige

„Weil saubere Schuhe für meine Mutter wichtig sind“

Mitten in der Nacht höre ich Geräusche im Haus. Ich denke: „Mutter, was ist jetzt passiert“.

Seit einem Jahr wohnt meine 86jährige an Demenz erkrankte Mutter bei uns. In meiner Familie haben wir beschlossen, dass sie zu uns kommen soll, nachdem das alleine leben nicht mehr möglich war.

Also mache ich mich auf die Suche, woher die Geräusche kommen. Ich folge dem Licht im Vorraum. Da sitzt meine Mutter auf dem Boden und lächelt selig vor sich hin. Die Schuhe der ganzen Familie sind aus dem Schuhkasten geräumt. Das Schuhputzmaterial liegt verstreut herum. Meine Mutter summt vor sich hin und ist gerade dabei, einen meiner Schuhe zu putzen.

Fassungslos frage ich sie: „Mutter, was machst du da mitten in der Nacht?“ Sie schaut mich an und meint: „Aber Kind, du musst doch saubere Schuhe haben, wenn du aus dem Haus gehst.“ Tränen laufen mir übers Gesicht: Welch eine Fürsorge und welch ein Chaos. Wie lange werden wir das noch schaffen? 24 Stunden – rund um die Uhr da sein und hoffen, dass es ihr gut geht.

Zum Glück können wir uns die Betreuung in der Familie aufteilen. Auch die Nachbarin hilft uns.

In der Gruppe für an Demenz erkrankte Angehörige ist für mich klar geworden: wenn es mir gut geht, kann ich auch gut für meine Mutter da sein. Wichtig ist für mich dabei herauszufinden: Was möchte ich für meine Mutter machen und was nicht. So haben wir z. B. für die Körperpflege die Hauskrankenpflege dazu geholt. Ich nehme mir bestimmte Zeiten für mich und auch mit meinem Mann. So ist unser Familienleben im Augenblick entspannt.

Was noch kommen wird? Wer weiß … notwendiges werden wir dann Schritt für Schritt überlegen. So sehe ich es zumindest jetzt und dass lässt mich gelassen sein. Ich sehe wieder die Schuhe im Vorraum und meine Mutter mitten drin. Ja, meine Mutter hat früher gut auf mich geschaut. Jetzt schauen wir auf sie.

Mitgehen mit den Angehörigen

„Ich pflege meinen Partner schon jahrelang, manchmal glaube ich, dass ich es nicht mehr aushalten kann und am liebsten einfach gehen würde! Was bin ich nur für ein Mensch, dass ich solche Gedanken habe.“

Immer wieder einmal plagen pflegende Angehörige solchen Gedanken, sie trauen es sich fast nicht auszusprechen und fühlen sich dann schlecht, haben den Eindruck zu versagen. Sie sind täglich präsent, hören die Leiden und Schmerzen ihrer Angehörigen und wissen oft nicht, wohin mit ihren eigenen Qualen. Morgen, morgen wird es besser werden und dann habe ich wieder mehr Geduld und Einfühlungsvermögen. „Ich will ja mitgehen, nehme Anteil am kranksein, aber wenn ich selber krank werde, wenn ich nicht auf mich schaue,   “

Wir sollten in unserem Umfeld hinschauen auf solche Menschen, die mit all ihren Möglichkeiten für andere da sind, sich selber leider zu oft vergessen. Diesen Menschen kann auch mit Anerkennung und einer kleinen „Auszeit“ geholfen werden. Auszeit in Form von einem Gespräch, einem offenen Ohr, ein kleiner Spaziergang, und auch einer Möglichkeit mal über das Leben zu lachen. Mitgehen mit den Angehörigen, zumindest einen kleinen Teil des Weges.

Mobbing – Was kann ich tun?

Ein Mobbing-Tagebuch …

Eine Möglichkeit für Menschen, die von Mobbing betroffen sind, ist es ein Tagebuch über die erlebten Vorfälle zu führen. Das macht zwar Arbeit und braucht auch Disziplin, denn du solltest möglichst regelmäßig und detailliert alles aufzuzeichnen, was dir in diesem Zusammenhang widerfahren ist. Das hilft dir nämlich bei der Sicherung von Beweisen, dient deiner Auseinandersetzung und Aufarbeitung der eigenen Situation und kann im Fall einer Anzeige oder für gerichtliche Beweisführung sehr hilfreich sein.

Was wird empfohlen?

Nimm entweder einen Buchkalender mit viel Platz für jeden Tag oder führe ein elektronisches Tagebuch und halte folgendes jeden Tag fest:

Datum und Uhrzeit, weil man sich sonst schon nach einigen Tagen nicht mehr genau erinnert  

Was ist passiert? Schreib den Vorfall möglichst detailliert auf, wer hat was gemacht und wer hat das eventuell noch mitbekommen?

Was hast du empfunden? Beschreib deine körperlichen oder seelischen Reaktionen und wie lange sie angehalten haben.

Welche Folgen hatte das für mich? bist zu z. B. zum Arzt gegangen, krank geworden, musstest freinehmen…

Wen habe ich informiert? Freunde, Familie, ArbeitskollegInnen, Bekannte

Wenn nichts passiert ist, dann bist du den Mobbern vielleicht nicht begegnet oder sie waren nicht da, bitte zeichne auch das auf.

Vergiss auch nicht festzuhalten, wenn dich jemand zu Hause oder in deiner Freizeit unter Druck setzt, weil er dich vielleicht anruft oder dich in den sozialen Medien angreift.

Deine Aufzeichnungen können dir auch dabei helfen, wenn du Hilfe in Anspruch nimmst. So kannst du unter anderem in der Telefonseelsorge nicht nur unter 142 telefonisch Unterstützung bekommen. Seit einigen Jahren gibt es die Onlineberatung mittels Email oder in einem Chat unter www.onlineberatung-telefonseelsorge.at  wo du dich vertrauensvoll hinwenden kannst.