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Vermissen und lieben

Wenn ein geliebter Mensch plötzlich verstirbt, bleibt im ersten Moment die eigene Zeit stehen. Es ist, als ob die Welt rundherum sich weiterdreht, aber ohne dass man selbst noch daran teilnimmt. Der Schock fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Das Realisieren geschieht nur langsam.

Es folgen tiefe Traurigkeit, Verzweiflung und auch immer wieder Unfassbarkeit. Wut und Fragen wie „Was wäre gewesen, wenn…?“ mischen sich hinzu. Es braucht Zeit. Zeit, um sich zu fassen und sich zu verabschieden. Und selbst mit der Zeit wird es nicht ganz gut. Wenn jemand stirbt, dann wird das nicht mehr gut. Es wird anders.

Das Wort „vermissen“ bekommt eine neue Bedeutung. Manchmal tut es unheimlich weh. Doch manchmal schleicht sich ein anderes Gefühl dazu. Es ist die Liebe. Das tiefere Wesen des Vermissens. Je mehr ein Mensch geliebt wurde, desto mehr vermisst man diesen Menschen nach seinem Tod. Es hilft, sich diese Liebe wieder in Erinnerung zu rufen, um das Vermissen auszuhalten. Es hilft auch, um schöne Erinnerungen hervorzuholen. Die Liebe macht den Tod nicht ungeschehen. Aber die Liebe kann den Tod überdauern. Und das darf sein. Das Gefühl des Vermissens erinnert uns an diese Liebe.

 

Von Einer die auszog das Annehmen zu lernen

… dann geh ich mal …..

…von Einer die auszog das Annehmen zu lernen ….

Die Sommerzeit lädt ein, sich einmal für mehrere Tage auf den Weg zu machen, eine längere Wanderung zu planen, abzuschalten, allein zu sein, Neuem zu begegnen, Sich zu begegnen. Und dann, am ersten Tag passiert mir durch Unachtsamkeit und „hudeln“ ein böser Sturz, der eine tiefe Wunde aufreißt. Panik, Hilflosigkeit, Schock. Niemand in Rufweite, niemand der sagt, was zu tun wäre. „Alles wird gut, ganz ruhig, atme tief durch“ die eigenen Worte klingen wie Mantras. Die Natur bietet massenhaft Kräuter, gleich hier in der Wiese, die Erstversorgung gelingt mir recht gut. Und dann? Abbruch oder Neustart? Trotz Schmerzen, trotz Unsicherheit was da kommen mag wird es ein Neustart. Das Bauchgefühl sagt mir: „Du schaffst das, probiere es wenigstens“. Ein Schritt nach dem anderen, nicht die ganze Etappe vor den Augen, sondern spüren, wenn es Zeit ist zu rasten. Wissend, es braucht auch professionelle Hilfe und diese auch anzunehmen. Mit jedem Schritt mit jedem Tag heilt meine Wunde ein wenig, aber sie braucht Zuwendung, braucht jemanden der sich auskennt was zu tun ist, braucht Beachtung. Die Wunde ist nach außen gut sichtbar, unbekannte Menschen bieten mir Hilfe an, einfach so. Annehmen ist auch eine Kunst, aber sie dient schlussendlich der Heilung auf wundersame Weise. Die Narbe wird mich daran erinnern, dass es in schwierigen Situationen und Zeiten immer mehrere Varianten gibt diese zu bewältigen und es sich lohnt, sich auch einmal auf etwas Neues einzulassen.

 

Gedanke und Worte wirken

Von einem Gespräch mit einer Anruferin habe ich noch eine Aussage im Ohr: „Wenn ich ehrlich bin merke ich einen großen Unterschied wie ich mit mir selbst in Gedanken rede und wie ich mit meinen Kindern rede. Mit mir selbst bin ich streng und verurteilend. Die Kinder lobe ich und versuche ich positiv zu unterstützen…“

Besonders im Alltag mit seinen vielfältigen Anforderungen sind wir gefordert. Wir sind gewohnt zu funktionieren und darauf zu achten, dass alles gut läuft. Und anstatt uns selbst dafür wertzuschätzen, sehen wir vor allem das, was misslingt und „schimpfen“ uns dafür. Dabei würden auch uns anerkennende, aufmunternde Worte gut tun. Weiterlesen

DANKE

Liebes Team der Telefonseelsorge Österreich,

Ich möchte euch auf diesem Weg mein großes, herzliches DANKE zukommen lassen.

Vor mittlerweile 8 Wochen habe ich mich in einer absoluten Krisensituation, in einer Depression mit heftigen Suizidgedanken und -absichten, voller Verzweiflung an die Telefonseelsorge gewandt. Am anderen Ende der Leitung war eine sehr aufmerksame, liebevolle weibliche Person, die mir zugehört hat und hilfreichen Rat geben konnte. Ihre konkrete Hilfestellung war, mich in ein Psychiatrisches Krankenhaus einweisen zu lassen und mir die Möglichkeit einer Reha aufzuzeigen. Sie erzählte mir dabei von einem bekannten Fall, bei dem diese Hilfemaßnahmen zu einer guten Stabilisierung beigetragen haben.

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Wunschlos glücklich?

Können Sie sich noch erinnern, an die Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat? Sie ist jetzt! Gute Wünsche schenken wir anderen, oder uns selbst. Immer sind sie mit der Hoffnung nach Erfüllung verbunden und das gibt jene Energie, die es braucht um einen nächsten Schritt in eine gute Richtung zu setzen. Sparen Sie nicht mit guten Wünschen, „wunschlos glücklich“ klingt nach Gemüsesuppe ohne Gemüse und Gewürz.

Unser Wissen ist Stückwerk

Nach meinem Dienst in der Telefonseelsorge klingt noch ein Thema nach….

Unser Wissen ist Stückwerk

Das müsste ich doch wissen! Das hätte ich wissen müssen. Das hätte ich doch vorausahnen können! Oder?

Nein, „denn unser Wissen ist Stückwerk“.

Im Leben kommt es nicht in erster Linie auf unser Wissen an.
Das Wichtigste ist immer die Liebe.

…vertrauen Sie Ihrer Liebe (?), Ihre I. M. Puls

Nachsicht

Ich erlebe mich oft sehr verständnisvoll mit anderen. Geht es um Nachsicht mit mir selber, bin ich dagegen meist gnadenlos und höchst kritisch. Ich freue mich, wenn in meinem Team eine hohe „Fehlerkultur“ gelebt wird. Fehler dürfen passieren, sollen aber für andere zur Verfügung gestellt werden, damit man sie nicht wiederholen muss. Das ist sehr förderlich für die Zusammenarbeit!

„Verbocke“ aber ich einmal etwas, dann habe ich plötzlich alles vergessen, was ich an dieser Fehlerkultur so schätze. Tun sie das nicht!

Pflegen Sie einen nachsichtigen und liebevollen Umgang mit sich selbst (?), Ihr I.M.Puls

Ich kann nicht mehr – Schau gut auf dich, aber wie?

Eine Anruferin erzählt mir von den belastenden familiären Umständen.

Bei meinem Ehemann wurde schon letztes Jahr Alzheimer-Demenz diagnostiziert. Er ist daheim und kann sich noch selber versorgen, während ich arbeiten gehe. Doch ich bemerke, wie er teilweise bereits darauf vergisst, sich das vorbereitete Essen zu wärmen oder seine Tabletten einzunehmen, obwohl sie unübersehbar am Küchentisch liegen. Wie wird das weitergehen, wenn die Krankheit schlimmer wird?

Und mein Sohn macht auch grade so eine schwierige Phase durch. Er arbeitet rund um die Uhr, um ja genug Geld für die Familie heimzubringen.  Die Enkelkinder sind eh so brav, sie sind oft bei mir, wenn ich Zeit habe. Aber die Schwiegertochter! Für sie ist nur ihre Schönheit wichtig, sie gibt großzügig das  Geld meines Sohnes für ihre Kleidung und Kosmetik aus,  vernachlässigt dabei aber die Kinder und den Haushalt. Mein Sohn will sich nun scheiden lassen. Doch wer wird das Sorgerecht für die Kinder bekommen, wer wird auf die Kinder aufpassen, wenn er arbeiten geht?“ Weiterlesen

Kraftwerk in der Hosentasche

Die kleinen Schätze, die in der Hosentasche eines Kindes verborgen sind, haben Kraft! Zwischen einem leckeren Bonbon, einer einsamen Münze und einem eingetrockneten Taschentuch kommt ein abgerissener Knopf aus Messing zum Vorschein. Die Beute der letzten Schatzsuche. Er zaubert dem Knirps ein Lächeln ins Gesicht. Stolz präsentiert er den Fund seinen Freunden und versorgt ihn in seiner Schatzkiste. Dieser Knopf wird lange ein Glücksbringer sein. Wir haben die Kraft, den Dingen Bedeutung zu geben, oder auch nicht. Welche Kraft verleihen sie ihren Dingen?

Der Traum vom Aussteiger-Leben in Australien

„Am liebsten würde ich meine Sachen packen und ein neues Leben beginnen“, erzählt mir die Frau Anfang Dreißig am anderen Ende der Leitung. Probleme in der Partnerschaft und Unzufriedenheit im Job machen ihr seit Monaten zu schaffen. Manchmal möchte sie einfach alles hinschmeißen, ihren Job kündigen, ihre Koffer packen und von neuem beginnen, in die ferne Welt reisen, täglich neuen Menschen begegnen, anregende Gespräche führen und abends den Sonnenuntergang über dem Meer Australiens genießen. Wenn sie auf Facebook die Profile ihrer Freunde und Freundinnen betrachtet, finden sich darunter gesunde Food-Blogger, glückliche Aussteiger, offene Weltenbummler, inspirierende Künstler, mutige Komfort-Zonen-Bezwinger und zufriedene Nomaden aller Art. Weiterlesen