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Umgang mit Trauernden nach einem Suizid

Eine Freundin erzählte mir darüber, dass sich in ihrer Nachbarschaft ein Mann das Leben genommen hatte. Er hatte sich erhängt. Alle waren fassungslos und fragten sich nach dem Warum.

Das Schwierigste aber für meine Freundin war jetzt die Frage, wie man seiner Witwe begegnen sollte, die sie fast täglich beim Hundespaziergang sah.

Der Suizid eines Angehörigen führt die Zurückbleibenden an die Grenzen der Belastbarkeit. Es gehört wohl zu den schmerzlichsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann und ist mit tiefer und lang anhaltender Trauer verbunden.

Erschwerend kommt dazu, dass in unserer Gesellschaft über das Thema Suizid kaum offen gesprochen wird. Einerseits wissen viele Menschen nicht, wie sie mit den trauernden Menschen umgehen sollen und die Betroffenen tun sich sowieso schwer, über ihren Verlust zu sprechen, auch aus Scham und Angst vor Schuldzuweisungen. Manchmal ziehen sie sich deshalb auch aus ihrem gewohnten Umfeld zurück und geraten selber in eine Lebenskrise.

Ich ermunterte meine Freundin dazu, aktiv auf die betroffene Nachbarin zuzugehen und ihr ihre aufrichtige Betroffenheit und Anteilnahme zu zeigen. Ich riet ihr außerdem dazu, zu versuchen, der Nachbarin gut zuzuhören und Verständnis und Interesse für ihre schwierige Situation und Gefühlswelt zu haben. Ich meinte auch, ob es vielleicht möglich wäre, kleine nachbarschaftliche Unterstützungsangebote zu machen.

Auf jeden Fall, sagte ich zu meiner Freundin, sollte sie sich durch ihre eigene Hilflosigkeit nicht davon abhalten lassen, mit der trauernden Frau Kontakt aufzunehmen.

Für Angehörige bleibt der Suizid für lange Zeit ein beherrschendes Thema in ihrem Leben. Sie brauchen meist viele kleine Schritte, um langsam in die Normalität ihres Alltags zurückkehren zu können.

In diesem Fall war es für meine Freundin möglich, mit der Nachbarin in gutem Kontakt zu kommen und es entwickelte sich im Laufe der Zeit eine Art Freundschaft. Sie gingen jedenfalls in der kommenden Zeit oft gemeinsam mit ihren Hunden spazieren.

Der Österreichische Vorlesetag

Am 15. März 2018 findet der Österreichische Vorlesetag statt. Damit soll die Freude am (Vor-)Lesen (wieder) geweckt werden. Vielleicht hast du schon von der einen oder anderen Veranstaltung zu diesem Tag gelesen?  Wann wurde dir das letzte Mal vorgelesen?

Auch wenn viele von uns Lesen als ihr Hobby angeben, so ist doch das Vorlesen für die meisten eher nur mehr etwas, das man für Kinder macht, solange sie noch nicht selbst (flüssig) lesen können. Zwar gibt es auch immer wieder Lesungen von Dichtern oder manchmal können Schauspieler gewonnen werden um Texte für öffentliches Publikum vorzulesen, meist sind das aber eher Veranstaltungen im kleinen Rahmen, die nur ein ausgewähltes Publikum interessieren.

Beim Vorlesen wird nicht nur unsere Phantasie angeregt, wir bekommen einen Input über unser Ohr und die auditive Sinnesempfindung vermittelt noch einmal ein tieferes Verständnis für einen Text. Außerdem hat der Vorleser die Möglichkeit durch seine besondere Art des Vorlesens bei einem Text noch eine zusätzliche Bedeutung mitschwingen zu lassen. So können emotionale Inhalte auch durch die gehörte Stimme erlebbar werden. In der Mail- oder der Chatberatung liest die/der BeraterIn immer wieder den Text auch für sich laut vor, um sich besser einfühlen zu können. Durch das laute Lesen entsteht der Eindruck die Wörter wären nicht nur sinngemäß erfasst, sondern auch gehört und hinterlassen damit einen tieferen Eindruck in mir.

Das Gleiche gilt natürlich auch für den Menschen, der eine Antwort auf sein Anliegen bekommen hat. Diese Antwort hat durch die schriftliche Form eine längere Gültigkeit, sie kann immer wieder gelesen werden und es kann auch hilfreich sein, sie laut zu hören, sie immer wieder zu hören.

Vielleicht kann uns der Österreichische Vorlesetag wieder dafür gewinnen, dass wir öfters einmal etwas vorlesen oder uns vorlesen lassen?

 

 

Ein „guter Rat“ bei alkoholkranken Angehörigen

In der Telefonseelsorge rufen immer wieder Menschen an, deren Angehörige alkoholkrank sind.

„Mein Sohn hat Alkohol- und Spielprobleme … „

„Mein Mann ist Alkoholiker. Betrieb und Haus stehen auf dem Spiel …“

“Meine Frau und ich haben eine Krise. Sie hat Alkoholprobleme. Ihre Unverlässlichkeit und Passivität machen mir am meisten zu schaffen. Wir haben drei Kinder …“

Diese Menschen schildern dann im Weiteren ihr oft erfolgloses Bemühen, ihre Angehörigen vom Alkohol wegzubringen oder sie dazu zu drängen, eine Hilfseinrichtung aufzusuchen.

„Wie soll ich mich verhalten? Was raten Sie mir?“ Solche und ähnliche Fragen werden an die Telefonseelsorge gestellt.

Aus der Erfahrung wissen wir, dass Menschen sich nur helfen lassen, wenn sie es selber wollen und dazu bereit sind. Wenn der alkoholkranke Mensch aus seinem und ihrem Innersten heraus nicht willig ist, etwas zu ändern, sind die besten Hilfseinrichtungen – und diese arbeiten wirklich gut, kennen sich mit allen Facetten der Problematik aus und sind untereinander gut vernetzt – „hilflos“.

Außerdem ja der alkoholkranke Mensch auch zuerst erkennen muss, dass in seinem und ihrem Alkoholkonsum etwas falsch läuft. Verdrängung und Bagatellisierung der Alkoholkrankheit ist ja oft Teil der Problematik. Das Erkennen der Alkoholkrankheit ist der erste und vielleicht wichtigste Schritt bei deren Bewältigung.

„Was soll ich also tun?“, fragen die Anrufer.

Nie müde werden, alkoholkranke Menschen zu ermutigen, sich ihrem Alkoholproblem zu stellen und Hilfe zu holen, professionelle und außerhalb des Familiensystems liegende Hilfe, das ist sicher ein möglicher „guter Rat“.

Und wie schaut es mit den Anrufern selber aus? Anrufern mit alkoholkranken Angehörigen tut es gut, über ihre belastenden Familiensituationen zu reden. Wenn sie gute Zuhörer finden, fühlen sie sich verstanden und erleichtert und haben vielleicht auch neue Handlungs- und Denkimpulse bekommen. Reden hilft. Das ist auch ein „guter Rat“, für alle Beteiligte.

 

FREUNDSCHAFT ODER LIEBE?

„Was ist der Unterschied? Wie merke ich, dass mich der Andere nur als guten Freund sieht, oder „mehr“ ist zwischen uns?“ wird man oft am Telefon gefragt.

Die Verunsicherung ist groß, da die Liebe selten „wie der Blitz“ einschlägt wie wir im Fernsehen oder im Kino erleben. Selbst dann muss es aber auf Dauer gesehen nicht wirklich „LIEBE“ sein. Jeder Partner erlebt seinen Partner anders und dies beginnt schon ganz am Anfang einer Beziehung. Da wir alle anders denken und vor allem anders fühlen, ist ein gewisser Gleichklang darin eine gute Voraussetzung für die Liebe. Wenn nun auch noch die äußeren Vorzüge und die Sympathie entsprechend vorhanden sind, dann wird daraus schon Liebe. Nur für die Dauer der Liebe ist damit noch keine Garantie gegeben, aber vielleicht für die Dauer einer guten Freundschaft. Denn bei der Liebe kommt noch etwas ganz wesentliches dazu und das ist die sexuelle Begegnung zwischen zwei Menschen. Diese kann ebenfalls auf sehr unterschiedlichen Vorstellungen und Phantasien beruhen, sodass ein Gleichklang wiederum für die „große Liebe“ schon eine Voraussetzung ist, nicht aber für die Freundschaft.

Freundschaft ist die Schwester der Liebe. Sie ist genauso stark, doch vielleicht dauerhafter als die Liebe, denn etwas spielt nicht so eine große Rolle wie bei der Liebe und das ist die TREUE.

Den Kopflasten Leichtigkeit zufächeln…

Nach meinem Dienst in der Telefonseelsorge klingt noch ein Thema nach….

Den Kopflasten Leichtigkeit zufächeln

Zwischenraumlos zugepflaster! Last um Last stappelt sich im Kopf. Stopp! Durchschnaufen und den Kopflasten Leichtigkeit zufächeln.

Ein witziger Film, eine interessante Ausstellung, ein Theaterstück, Natur erleben, oder einen Kuchen vom Konditor nach einem Spaziergang genießen…, bringt wieder Leichtigkeit ins Denken.

…lüften Sie Ihr Hirn regelmäßig (?), Ihr I. M. Puls

Stille mal 5

Weihnachten….in einer stillen Wallfahrtskirche…..
Ruhe…..Besinnung….Andacht….
Kälte spüren….die Freude von Weihnachten fühlen…..
eine Familie in Liebe verbunden…..
Da entsteht dieses Gedicht:

Stille mal 5

Hauchfahnen
angeleuchtet vom Kerzenlicht
Schulter an Schulter
werden Gedanken geordnet
verschränken sich miteinander
entfalten Kraftfelder
tragen durchs Jahr
365 mal wird es Nacht
eh sie wieder, alle 5
Schulter an Schulter
Hauchfahnen
vor sich hin blasen

Jedes Mal

Jedes Mal,
wenn zwei Menschen einander verzeihen,
ist Weihnachten.
Jedes Mal,
wenn Ihr Verständnis zeigt für Eure Kinder,
ist Weihnachten.
Jedes Mal,
wenn Ihr einem Menschen helft,
ist Weihnachten.
Jedes Mal,
wenn ein Kind geboren wird,
ist Weihnachten.
Jedes Mal, wenn du versuchst, Deinem Leben
Einen neuen Sinn zu geben,
ist Weihnachten.
Jedes Mal,
wenn Ihr einander anseht
mit den Augen des Herzens,
mit einem Lächeln auf den Lippen,
ist Weihnachten.

Aus Brasilien

Selbstfürsorge

„Wissen Sie, ich habe endgültig genug von meinem Mann. Alle die Jahre war ich seine Köchin, Putzfrau und Unterhaltungsdame, nie war er für mich da – selbst jetzt nicht, wo ich erkrankt bin. Nun tue ich das, was mir gut tut.“
Wie bitter, denke ich mir, denn die Anruferin ist knapp 80 Jahre alt. Ich stelle es mir schlimm vor, diese Erkenntnis in ihrem hohen Alter zu erlangen zu müssen. All die ver-geudeten Jahre, sie hätte es besser haben können.
Die Anruferin jedoch klingt gelöst, zuversichtlich und sehr entschlossen. Endlich tue sie, was für sie richtig und wichtig ist, achte ihre Bedürfnisse. Das alleine gibt ihr Kraft und scheint Entschädigung für das Leid der vergangenen Jahre zu sein.

Ein paar Tage später benötige ich kurzfristig einen Arzt-Termin. Ich greife zum Hörer, wohl wissend, dass die Ärztin Termine frühestens in zwei Monaten vergibt. Sofort macht sich schlechtes Gewissen breit als die Sprechstundenhilfe meint, dass ein Termin in den nächsten Tagen schwierig werden könnte. „Es ist wirklich nicht so akut, dann warte ich einfach noch“, höre ich mich sagen und muss dabei innerlich den Kopf schütteln. Die Dame am anderen Ende der Leitung ist wohl ähnlicher Meinung. Freundlich und bestimmt erklärt sie mir: „Es ist Ihre Gesundheit, Sie sollten auf sich schauen! Wir finden schon einen Termin für Sie!“. Mit Erstaunen bemerke ich, wie wohltuend und wertvoll dieser Hinweis war. Stimmt, ich muss wirklich besser auf mich achten!

Wieder zurück in der TelefonSeelsorge: Eine Anruferin braucht Unterstützung auf ihrem Weg herauszufinden, was denn eigentlich ihre Bedürfnisse sind. Ihre Akkus seien so leer, dass sie sich selbst gar nicht mehr spüre. In Familie, Freundeskreis und Beruf achte sie zuerst auf alle anderen und deren Befindlichkeiten, sie selbst vergesse sie dabei völlig. Wie sie ihre Selbstfürsorge einschätze, ist meine Frage an die Anruferin. „Miserabel“ lau-tet die sofortige Antwort. Und dann – nach einer kurzen Nachdenkpause: „Eigentlich er-schreckend, oder?“

Selbstfürsorge gibt Kraft und hält gesund. Dazu gehört auch, sich in schwierigen Zeiten jemanden anzuvertrauen, sich mit seinen Sorgen und Nöten zuzumuten.
Denn: Reden hilft!
Ein Anruf bei der TelefonSeelsorge oder ein Kontakt mit der Onlineberatung der Telefon-Seelsorge könnte ein erster Schritt sein.
Passen Sie gut auf sich auf!

Alte Angehörige

„Bei meinen Eltern unterscheide ich sehr genau, wer für mich früher da war und wer nicht! Und das entscheidet, für wen ich da bin!“

„Mein Schwiegervater hat mich immer abgelehnt. Du gehörst nicht zu uns, hat er gesagt! Jetzt, wo er krank und bedürftig ist, ist er auch nicht mein Schwiegervater!“

Diese zwei Aussagen von zwei unterschiedlichen Menschen habe ich an einem Tag gehört und sie haben mich nachdenklich gemacht.

Haben sie Recht? Weiterlesen