Schlagwort-Archive: Angst

Kleine Ressourcen

Menschen, die in der Telefonseelsorge anrufen, leiden. Sie fühlen Hilflosigkeit und Angst, Hoffnungslosigkeit, Trauer und Einsamkeit. Und manchmal sind sie in einer Krise.

Umso erstaunlicher und bewundernswerter ist es für mich dann, welche Antworten diese Menschen trotzdem geben können, wenn ich sie frage, welche Dinge sie denn trotz aller Schwierigkeiten in ihrem Leben für ihre Ressourcen und Kraftquellen halten.

Kürzlich hatte ich ein Gespräch mit einer Frau, die ins Telefon weinte und gleichzeitig auch ein bisschen alkoholisiert war. Sie habe eine schwere Zeit zu meistern, meinte sie. Nach einem Beziehungsende nach über 20 Jahre sei sie nun Alleinerzieherin und manchmal ziemlich überfordert. Dazu kommt, dass ihr Vater im Sterben liegt und sie außerdem aufgrund einiger Anzeichen befürchtet, ihre Arbeit zu verlieren.

Irgendwann kamen wir im Gespräch drauf, was ihr denn noch guttue.

Sie antwortete, dass sie zwei Freundinnen habe, die ihr sehr wertvoll sind, vor denen sie aber stark erscheinen will und ihnen nicht so viel über ihr Leben erzähle, wie sie könnte. Auch habe sie einen Hund, der „alles weiß“, aber alt und schwach ist und nicht mehr lange leben wird. Und als letztes falle ihr noch ein, dass sie immer schon gern Tagebuch geschrieben habe, in letzter Zeit zwar nicht mehr so häufig, aber das habe ihr immer gut getan und das werde sie vielleicht wieder angehen.

Ich war sehr beeindruckt von dieser Aufzählung und versuchte die Anruferin zu ermuntern, diese Dinge weiter zu pflegen.

Natürlich war am Ende des Gespräches nichts im Leben dieser Frau wirklich anders oder gar gelöst, aber sie fühlte sich ein bisschen erleichterter und bedankte sich für die Zeit.

Und hoffentlich war es auch möglich gewesen, dachte ich mir, dieser Anruferin bewusst zu machen, wie viele, vielleicht als klein erscheinende Ressourcen und Kraftquellen sie in ihrem Leben doch auch besitzt.

GRENZGÄNGER

grenzgGrenzgänger pendeln von einer Seite einer Grenze auf die andere- z.B. um in einem anderen Land zu arbeiten, als sie leben. Auch im psychischen Sinn gibt es Grenzgänger, die innerhalb ihres Selbst immer wieder über Grenzen gehen, die wir nur schwer begreifen.

Menschen mit Psychosen schildern Dinge, die für uns, in unserer Realität, nicht nachvollziehbar sind. Sie sehen Dinge, hören Stimmen, spüren Gefahren – und schildern uns ihre Bedrängnisse. Manchmal macht uns das Angst – wie weit gehe ich mit in ihre/seine Welt, überschreite meine sicheren Grenzen? Weiterlesen

ANGST VOR DEM TOD

„Vor 3 Wochen habe ich erfahren, dass ich unheilbar krank bin. Ich habe Krebs im Endstadium und meine Lebensaussichten sind 3 – 5 Monat“, klagt eine sehr leise und traurige weibliche Stimme am Telefon. „Ich habe so große Angst davor zu sterben, so gerne hätte ich noch miterlebt, was aus meiner Enkelin wird. Sie geht auf die Schauspielschule in Wien und hat schon bald ihre letzte große Prüfung. So gerne hätte ich noch eine Reise mit dem Schiff gemacht, so wie man dies im Fernsehen sieht“. So gerne hätte ich …… Weiterlesen

Mit Ohnmacht umgehen

Kind versteckt sich unter der Decke„Wenn ich durch mein Fernglas verkehrt herum hineinschaue, wird alles ganz klein. Manchmal möchte ich, dass die Welt dann so bleibt, weil ich dann die großen Leute nicht mehr fürchten muss. Ich fühle mich sicher und habe alles im Überblick.“ Weiterlesen

Angst

Storm and sunset.Glücklich, wer die Angst nicht kennt. Obwohl sie einerseits lebensnotwendig ist um uns vor Gefahren zu bewahren, ist sie doch im ungesunden und krankhaften Maß ein Faktor, der das Leben nicht mehr lebenswert macht. Die Angst vor dem Alltag, vor Menschen, vor der Dunkelheit, Angst vor Versagen, vor Krankheit und Tod, Angst, Angst, Angst…….kann einem das Leben zur Hölle machen. Weiterlesen

Angst

Bogenförmige Rahmung aus HerbstblätternUnsere größte Angst ist es, nicht liebenswert zu sein, nicht geliebt zu werden, nichts wert zu sein.
Wer als Baby und Kleinkind nicht genügend liebevolle Zuwendung bekommt, dem fehlt das Urvertrauen, liebenswert zu sein. Es ist nicht unmöglich, aber schwer, dieses Manko auszugleichen, diese Sehnsucht nach Liebe gestillt zu bekommen und sich selbst als liebevoll zu erleben.

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Gehört werden

gehoertwerdenWie ist das eigentlich mit dem Zuhören können, wenn jemand von sich erzählt – es muss ja nicht einmal eine Leidensgeschichte sein? Wie sehr versucht sind wir, gleich einmal unser Eigenes einzubringen „Ja, das kenn‘ ich auch“ und pressen unserem Gegenüber schon unsere Geschichte hinein. Oder wir haben gleich Rat-schläge, Belehrungen und Trost parat, weil wir manchmal zu wissen glauben, was unser Gegenüber braucht, um sein Leben in den Griff zu bekommen. Wo das Gespräch zu einem Ping-Pong-Spiel wird und wir letztlich aneinander vorbeireden. Wo keine echte Begegnung und Nähe möglich wird und eigentlich nur Frust und das schmerzliche Gefühl des Unverstandenseins übrigbleiben. Weiterlesen

Aus Worten können Wege werden.

Lebensberatung am Telefon. TelefonSeelsorge – Notruf 142
Die Kunst der Aufmerksamkeit und des Zuhörens

Oftmals haben wir es in unseren Telefonaten zu tun mit Geschichten von Verzweiflung und Angst, von (scheinbarer) Ausweglosigkeit, von Verlust und Trennung, von Tod und Trauer. Wir können jedoch Probleme nicht einfach lösen. Aber indem wir zuhören, antworten, nachfragen, Resonanz geben, erleben sich viele Menschen wieder als lebendig und entdecken, dass sie mehr Kräfte haben, als sie dachten. Im Kontakt und im Gespräch erfahren Menschen Nähe, Zuwendung, oft auch einen Anstoß zu neuem Lebensmut. Sehr häufig kommt es schon allein dadurch zu Entlastung und Erleichterung. Weiterlesen

Sorgen machen

Online Hilfe bei Sorgen

Foto: c) D. Bayer-Bösch, privat

„Es macht mir solche Sorgen“ oder
„er oder sie machen mir solche Sorgen“, höre
ich oft, nicht nur beim Dienst am Telefon.

Eigentlich mache immer ich mir die Sorgen.
Was heißt das nun genau?
Ist es nicht gut, sich um jemanden zu sorgen? Steckt nicht auch das versorgen und umsorgen im „Sorgen machen?
Sich um etwas zu sorgen, heißt für mich, sich Gedanken zu machen, Handlungen zu setzen, aktiv zu sein. Das ist sicher gut und gesund: Wir müssen ja auch für unser eigenes Wohl sorgen oder das unserer Kinder und Angehörigen, für Nahrung, Schutz, Geborgenheit und Gesundheit. Sorgsam zu sein mit uns und anderen ist wichtig und hilfreich. Weiterlesen